Wer in den 1980er-Jahren baute, setzte oft auf die damals gängige Elektrospeicher-Heizung. Doch was vor vier Jahrzehnten Standard war, ist heute ein Auslaufmodell: Der Neubau oder 1:1-Ersatz von Elektroheizungen ist schweizweit verboten. Wie der Wechsel zu einer nachhaltigeren Lösung gelingt, zeigt das Beispiel einer Siedlung mit sechs aneinandergebauten Einfamilienhäusern im bernischen Lyss.
Bis vor wenigen Jahren verfügte jedes der Gebäude über eine eigene zentrale Elektroheizung und einen eigenen Elektroboiler. Da im Kanton Bern eine Sanierungspflicht für Elektrodirektheizungen bis Ende Dezember 2031 und für Elektroboiler bis Ende Dezember 2042 gilt, war ein baldiger Heizungsersatz unumgänglich.
Den entscheidenden Anstoss für das Projekt gab die fundierte Analyse eines Energieberaters im Jahr 2023. «Der Experte empfahl eine gemeinsame Erdsonden-Wärmepumpe mit gleichzeitigem Ersatz der Elektroboiler», erklärt Eigentümer Markus Sahli, der von Anfang an am Projekt beteiligt war.
Der Enbergieberater entwickelte für alle sechs Häuser ein stimmiges Gesamtkonzept und wies die Nachbarn auf Förderbeiträge hin. Auch um die Bewilligung für die Bohrungen der Erdsonde kümmerte er sich. Da die Häuser noch kein Wärmeverteilsystem hatten, bestanden anfänglich Bedenken zu den aufwändigen Bohrungen der Leitungen. Der Energieberater konnte diese Bedenken jedoch ausräumen.
Als einzige Herausforderung erwies sich die Suche nach einem geeigneten Standort für die Wärmepumpe und den Boiler. Die Lösung lag schliesslich direkt vor der Haustür: Neben den Garagen befand sich ein kleiner ungenutzter Spickel, der flächenmässig genau passte.
Der Umbau erfolgte in mehreren Etappen ab dem Frühjahr 2024 – optimal zwischen den Heizperioden. Zunächst wurden die alten Elektroheizungen zurückgebaut. Es folgten die notwendigen Kernbohrungen und das Durchziehen der neuen Wärme- und Warmwasserleitungen unter den Häusern. Auch die neuen Wandradiatoren wurden verbaut.
Für die Erdsonde mussten im Juli drei Bohrlöcher auf 240 Meter Tiefe gebohrt werden. Im letzten Schritt fand im August der Bau des kleinen Gebäudes neben den Garagen – die zukünftige Heizzentrale – statt. Ende September 2024 ging die neue Anlage dann auch schon in Betrieb.
Trotz der umfangreichen Arbeiten konnten die Bewohner während der gesamten Zeit in ihren Häusern bleiben. Positiv überrascht war Sahli zudem von der sauberen Arbeitsweise: «Ich hatte anfangs Bedenken vor dem Schmutz durch die Bohrungen. Doch die Firma hat das professionell mit Absaugvorrichtungen gelöst.»
Die Bilanz nach den ersten Betriebsjahren ist überaus positiv. «Die Wärmepumpe ist wirklich eine gute Sache. Der Energieverbrauch konnte im Vergleich zur alten Heizlösung um rund 70 Prozent reduziert werden», erklärt Sahli.
Auch der Zusammenschluss mit den Nachbarn hat sich gelohnt. So geht das Projekt mittlerweile sogar über den reinen Heizungsersatz hinaus. Die Nachbarschaft hat kürzlich einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) gegründet, um auch den Strom der Photovoltaikanlagen optimal für die Wärmepumpe und das Laden der Elektroautos zu nutzen.
Sahli ist sehr zufrieden mit der neuen Unabhängigkeit: «Im Sommer sind wir dank der Anlage praktisch autark!»
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