Anna Rosenwasser ist stolze LGBTQIA+ Aktivistin und wünscht sich eine vielfältigere Schweiz.
Anna Rosenwasser ist stolze LGBTQIA+ Aktivistin und wünscht sich eine vielfältigere Schweiz.
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«Ich entschuldige mich nicht dafür, wie ich bin!»

Die LGBTQIA+-Aktivistin Anna Rosenwasser im Interview über Diskriminierung, vorgeworfenen Männerhass und die Wichtigkeit, laut und unbequem zu bleiben.

Anna Rosenwasser ist Autorin, Moderatorin, Bloggerin und setzt sich für LGBTQIA+-Rechte ein. Die 32-jährige Wahlzürcherin mit jüdischer Herkunft bezeichnet sich selbst als Polit-Influencerin und redet am liebsten über Identitäten und die Anziehung zwischen Menschen. 

Ihr Lieblingsquartier in Zürich ist der Kreis 5, wo die Ja-Rate zur Initiative «Ehe für alle» am höchsten war. In einem kleinen, unscheinbaren Lokal unter den Viaduktbögen, spricht sie im Interview über Diskriminierung und Queerfeindlichkeit in der Schweiz, wie sie mit Hassnachrichten umgeht und weshalb es «Safer Spaces» braucht. 

Hallo Anna, du bist eine der bekanntesten Aktivistinnen der Schweiz. Was hat dich dazu bewogen, so offen und ehrlich Probleme anzusprechen?

Ich habe mich schon immer für die Gesellschaft interessiert und verspürte nach meinem Coming-Out mit 26 Jahren ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Als ich dann an einem queeren Anlass teilnahm, überkam mich zum ersten Mal das Gefühl, mich niemandem erklären zu müssen. Mir selbst gab die queere Gemeinschaft so viel, dass ich mich dazu entschloss, in der Öffentlichkeit meine Mitmenschen zu ermutigen. 

Machst du dich dadurch nicht besonders angreifbar? 

Natürlich. Wenn ich live vor Publikum spreche, spüre ich genau, wer mich scheisse findet und wer nicht. Aber selbst wenn mich über 90 Prozent der Teilnehmenden nicht mögen, erkenne ich immer irgendwelche Augenpaare, die mich anstrahlen und mir das Gefühl geben, mit meiner Arbeit das Richtige zu tun. Gleichzeitig weiss ich aus eigener Erfahrung, dass es queeren Menschen hilft, wenn jemand vor ihnen steht und sagt: «Hey, so bin ich und ich entschuldige mich nicht dafür, wie ich bin!»

Wie geht es dir als bisexuelle Frau mit jüdischem Hintergrund in Zürich? Wie erlebst du Homophobie, Antisemitismus und Sexismus im Alltag?

Mit dem Namen Rosenwasser bekomme ich immer viel Antisemitismus zu spüren, selbst wenn ich mich nicht oft über das Judentum äussere. Die Diskriminierung ist nicht immer offensichtlich, es gibt da verschiedene Formen. Man darf sich Diskriminierung nicht immer als offensichtlichen Hass vorstellen, der mit Absicht geäussert wird. Es kann auch sein, dass ich beispielsweise eine Wohnungsabsage erhalte, weil ich mich mit meiner Partnerin bewerbe oder einen jüdischen Nachnamen trage. Den wahren Grund werde ich wohl nie erfahren. Ich exponiere und äussere mich allerdings mehr zu LGBTQIA+-Themen als zum Judentum. Auch, weil ich mich keiner zusätzlichen potentiellen Gewalt aussetzen möchte. 

«Eine offen queere Person lebt ihre Freiheit. Diese Freiheit kann Menschen wütend machen, die nicht so frei in ihrem Leben sind», erklärt Anna.
«Eine offen queere Person lebt ihre Freiheit. Diese Freiheit kann Menschen wütend machen, die nicht so frei in ihrem Leben sind», erklärt Anna.

Verletzt dich das oder macht dich das wütend? 

Beides nicht, aber ich finde es unheimlich. Antisemitismus ist für mich auch weniger nachvollziehbar als Queerfeindlichkeit. 

Wie meinst du das? 

Für Queerfeindlichkeit hab ich Erklärungen. Eine queere Person ist «out and proud» und lebt ihre Freiheit. Diese Freiheit kann Menschen wütend machen, die nicht so frei in ihrem Leben sind oder – vielleicht unbewusst – mit der eigenen Identität zu kämpfen haben. 

Fehlt es in der Schweiz an Verständnis für queere Menschen?

In der Schweiz geht es vorwärts und das freut mich sehr. Die «Ehe für Alle», der Diskriminierungsschutz aber auch die vereinfachte Geschlechtseintragung für trans Menschen sind wichtige Errungenschaften der Community. Allerdings haben Schweizerinnen und Schweizer eine Tendenz, ihre Offenheit zu überschätzen. Viele halten sich für offen und modern, aber sind nicht bereit, dazuzulernen. Offenheit bedeutet nicht, dass man sofort alles verstehen muss, sondern vielmehr, dass man zugibt, etwas nicht ganz zu verstehen, aber daran arbeitet.

#MITENAND IN DER VIELFALT

Seit vielen Jahren engagiert sich Coca-Cola weltweit und in der Schweiz für Diversity & Inclusion, damit aus der Individualität der Menschen eine bunte, vielfältige Gesellschaft entsteht. Als Teil dieses Engagements sowie als Sponsor der EuroPride 2022 und der Swiss Diversity Awards erschienen in den letzten Wochen auf 20 Minuten verschiedene Porträts über Mitglieder und Aktivist*innen aus der LGBTQIA+-Community, darunter über Nationalrätin Sibel Arslan, Aktivistin Anna Rosenwasser, Social Media Creator Jan Löning, Jungunternehmer Michel Rudin und über Reyn ffoulkes, Kommunikationsleiter bei Coca Cola.

Warum ist es wichtig, manchmal laut und unbequem zu sein?

Menschen, die sich gegen Ungerechtigkeit wehren, wird oft nachgesagt, dass sie es freundlicher formulieren sollten. Aber dann passiert genau gar nichts! Historisch gesehen waren es selten die leisen und freundlichen Menschen, die es zu Veränderungen gebracht haben. Es ist ein wiederkehrendes Muster, Minderheiten spezifisch vorzuwerfen, wütend zu sein. Vor allem Frauen wird Wut viel öfter vorgeworfen als Männern. Bei Männern wird es als autoritär betrachtet, bei Frauen irrational – ein Grund mehr, um wütend zu bleiben. 

Du organisierst ja auch Anlässe, die nur für Frauen und nonbinäre Personen zugänglich sind. Wie gehst du damit um, wenn dir Männerhass vorgeworfen wird? 

Ich hab keine Schutzschicht, solche Worte verletzen mich natürlich. Aber ich habe keine Lust, mir eine dicke Haut zuzulegen. Ich finde, es ist ein feministischer Akt, soft zu bleiben. Meine Anlässe, die nur für Frauen und nonbinäre Personen sind, organisiere ich nicht mit dem Gedanken, eine Gruppe konkret auszuschliessen, sondern eher vor dem Hintergrund, einen «Safer Space» zu schaffen. Also einen Ort, an dem sich Menschen mit ähnlichen Erfahrungen austauschen können und sich gegenseitig empowern. 

Wäre es aber nicht sinnvoll, auch diejenigen einzuladen, die noch nicht mit dem Thema vertraut sind – einfach, damit sie dazulernen können? 

Gerade bei meiner Talk-Reihe interagiere ich oft mit dem Publikum und spreche beispielsweise über Transidentität oder sexualisierte Gewalt. Meine Erfahrung zeigt, dass sich Menschen tendenziell sicherer fühlen, wenn sie untereinander dasselbe oder Ähnliches erlebt haben. Das gilt auch für mich bei Veranstaltungen für People of Colour. Ich gehöre da nicht hin, auch wenn mich das Thema interessiert und ich ihnen gerne zuhören möchte. Es gibt einfach Anlässe, bei denen meine Anwesenheit wenig bringt. Das hat für mich nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern mit einer anderen Form von Inklusion.

An wen sollen sich queere Menschen wenden, die Probleme haben?

Mittlerweile gibt es in allen Regionen der Schweiz verschiedene Vereine, die queere Treffen organisieren. Dazu kannst du einfach die nächstgelegene Stadt und «queer» in der Suchmaschine eingeben und schon findest du Treffer. Es gibt seit einigen Jahren die LGBTIQ-Helpline via Telefon, Mail oder auch für persönliche Treffen. Jugendliche können sich an die Milchjugend wenden, eine queere Organisation, die mitunter der Grund für mein Coming-Out war, oder an «Du bist Du». Im Vergleich zu früher gibt es heutzutage echt viele Anlaufstellen. Queere Menschen sind sichtbarer und machen die Schweiz vielfältiger – und das ist so schön.

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Dieser werbliche Beitrag wurde von Coca Cola Services N.V. erstellt. Er wurde von Commercial Publishing, der Unit für Content Marketing, die im Auftrag von 20 Minuten und Tamedia kommerzielle Inhalte produziert, für die Publikation aufbereitet, wobei die Haftung für Inhalte (Wort, Bild) und externe Links bei Coca Cola Services N.V. liegt.