Als Juristin wie auch als grüne Nationalrätin: Sibel Arslan packt gesellschaftliche Probleme an.
Als Juristin wie auch als grüne Nationalrätin: Sibel Arslan packt gesellschaftliche Probleme an.
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«Eine gute demokratische Basis für ein schönes Land schaffen»

Nationalrätin Sibel Arslan spricht im Interview über Begriffe wie Heimat und Partizipation – und erklärt, warum sich Schweizer Konservative mit Anti-Islam-Argumenten an der eigenen Nase nehmen sollten.

Grüne Nationalrätin, Juristin und eine der bekanntesten und vielleicht kontroversesten Politikerinnen der Schweiz: Die in der Türkei geborene Sibel Arslan macht Schweizer Politik mit Leib und Seele – und setzt sich seit jeher für eine bunte Gesellschaft von Vielfalt, Akzeptanz und Gleichberechtigung ein.

Im Rahmen des «Diversity & Inclusion»-Programms von Coca-Cola spricht Sibel im Interview in gewohnter Offenheit über ihre Rolle als politische Akteurin in der Schweiz, verrät ihre Haltung zu konservativen Anti-Migrations-Argumenten und erklärt, was die Proteste gegen die EuroPride 2022 in Belgrad mit Demokratie zu tun haben.

Hallo Sibel! Was bedeutet es für dich, Politikerin zu sein?

Sibel Arslan: Ich liebe es, Politik zu machen! Als Politikerin kann ich aktiv etwas bewirken, positive Veränderungen anstossen. Ich möchte im öffentlichen Diskurs – und als Juristin natürlich auch in der Gesetzgebung – gesellschaftliche Probleme angehen. Und eine gute demokratische Basis für ein schönes und gutfunktioniertes Land schaffen.

Was fehlt in der Schweiz noch dafür?

Die Schweiz haben im Vergleich zu anderen Ländern eine gut funktionierende Demokratie. Ich will also nicht auf gut Deutschweizerischer Art mit Motzen einsteigen, denn es gibt durchaus sehr viel Gutes zu unserem Land zu sagen! Aber ich glaube, wir könnten willkommenheissender sein, offener und selbstsicherer. Es ist schwierig, wenn man nicht in der Schweiz aufgewachsen ist, bei uns richtig anzukommen. Wir sind zwar sehr interessiert, dabei aber auch distanziert und versuchen, persönlich nicht viel preiszugeben. Dabei hätten wir alle so viel zu erzählen. Ich spüre aber auch, dass die Gesellschaft sich – gerade dank der steigenden Vielfalt in der Schweiz und der Globalisierung – diesbezüglich in eine gute Richtung entwickelt.

Spielen wir ein Assoziations-Spiel? Was fällt dir zu folgenden Begriffen spontan ein? Beginnen wir mit «Heimat».

Berge! Ich komme ja ursprünglich aus Zentralanatolien, aus der Türkei. Diese Region ist von der Landschaft her sehr ähnlich wie hier in der Schweiz. Wenn ich an Heimat denke, dann fallen mir eben zuerst Berge ein.

«Integration».

Da denke ich an die (Maschinen)-Industrie. Ich habe das Gefühl, das Zusammenspiel von verschiedenen Prozessen und Maschinenteilen, die aufeinander abgestimmt sind und doch ihre ganz eigene Funktion erfüllen, ist die richtige Definition von Integration. Deshalb mag ich den Begriff auch nicht, wenn er im Sinne von «Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in die hiesige Gesellschaft» verwendet wird. Ich finde, hier muss man viel mehr von Partizipation sprechen als von Integration. Es wäre schön, wenn man allen Menschen - auch denjenigen mit Migrationshintergrund - die Gelegenheit bieten würde, sich als Rädchen in der "Maschine Schweiz" zu beteiligen und so zum Funktionieren unseres Landes beizutragen. Das ist wahre Partizipation.

«Multikulti».

Riesengrosse Feste mit verschiedenen kulinarischen Köstlichkeiten und Zusammensein. Der Begriff «Multikulti» ist für mich veraltet, aber ich assoziiere ihn eben mit vielen positiven Aspekten wie Essen und Gemeinschaft.

«Es ist schwierig, wenn man nicht in der Schweiz aufgewachsen ist, bei uns richtig anzukommen.»
«Es ist schwierig, wenn man nicht in der Schweiz aufgewachsen ist, bei uns richtig anzukommen.»

Oft heisst es, dass sich Einwanderung, respektive bestimmte fremde Kulturen, nicht mit Schweizer Werten vereinbaren lassen. Als Beispiele werden hier die Stellung der Frau im Islam und Verfolgung von LGBTQIA+-Personen genannt. Wie stehst du dazu?

Konservative Kreise nutzen diese Argumente gerne für ihre Agenda. Wenn wir aber wissen, dass in der Schweiz der letzte Kanton erst 1991 quasi dazu gezwungen werden musste, Frauen die Rechte für Mitbestimmung zu erteilen – oder wenn man realisiert, dass wir in der Schweiz erst seit ein paar Monaten gleichgeschlechtliche Ehen erlauben, dann erkennt man, dass gerade diese Konservativen den Fortschritt sehr lange verhindert haben.

Und wenn diese Konservativen dann andere konservative Haltungen als Negativbeispiele nutzen, dann muss man einfach sehen: Es braucht in allen Kulturen gewisse Veränderungen. Sich dabei höher oder tiefer zu stellen als andere, macht die Sache weder besser noch einfacher. Deshalb sollten wir uns vielleicht von den Konservativen nicht sagen lassen, was Vielfältigkeit bedeutet.

Die EuroPride 2022 fand in Belgrad statt, wurde aber von anhaltenden Protesten aus konservativen und religiösen Kreisen begleitet. Was sagst du dazu?

Das ist sehr bedauerlich, denn gerade in Ländern, in denen Vielfältigkeit und die Rechte der Minderheiten vielleicht in der Verfassung und der gesellschaftlichen Entwicklung noch nicht so verankert sind, ist Gesehenwerden wichtig. Die Rechte der LGBTQIA+-Community sind universelle Menschenrechte – und die gelten überall. Dass all die friedlichen Demonstrationen nicht anerkannt werden, ist besorgniserregend. Das geht auch uns etwas an, denn Demokratie hört nicht vor der eigenen Haustür oder an der Schweizer Grenze auf. Wenn die Politik den rechtskonservativen Kräften mehr Gehör schenkt und Demokratie und Menschenrechte nach deren Verständnis auslegt, habe ich grosse Mühe damit.

Coca-Cola setzt sich aktiv für Diversity & Inclusion ein und ist auch als Hauptsponsor der EuroPride aufgetreten. Können grosse Unternehmen auch politisch etwas bewirken? Wie passt das für dich zusammen?

Es ist wichtig, gemeinsam mit verschiedenen Akteuren – gerade auch aus der Wirtschaft – einen Weg für eine gut funktionierende Gesellschaft zu ebnen. Unsere Gesellschaft besteht eben nicht nur aus Politikerinnen und Politikern. Wir müssen versuchen, uns nicht an Differenzen zu orientieren, sondern gemeinsame Ziele zu definieren und diese zu verfolgen. Deshalb finde ich es schön und wichtig, dass sich auch die Wirtschaft sozialpolitischen Themen annimmt – und fortschrittliche Positionen vertritt.

#MITENAND IN DER VIELFALT

Seit vielen Jahren engagiert sich Coca-Cola weltweit und in der Schweiz für Diversity & Inclusion, damit aus der Individualität der Menschen eine bunte, vielfältige Gesellschaft entsteht. Als Teil dieses Engagements sowie als Sponsor der EuroPride 2022 und der Swiss Diversity Awards erschienen in den letzten Wochen auf 20 Minuten verschiedene Porträts über Mitglieder und Aktivist*innen aus der LGBTQIA+-Community, darunter über Nationalrätin Sibel Arslan, Aktivistin Anna Rosenwasser, Social Media Creator Jan Löning, Jungunternehmer Michel Rudin und über Reyn ffoulkes, Kommunikationsleiter bei Coca Cola.

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Dieser Beitrag wurde von Commercial Publishing in Zusammenarbeit mit s.a. Coca Cola Services N.V. erstellt. Commercial Publishing ist die Unit für Content Marketing, die im Auftrag von 20 Minuten und Tamedia kommerzielle Inhalte produziert.