Helge Müller, Mitinhaber von Genève Invest, reagiert entschlossen auf die Corona-Krise.
Helge Müller, Mitinhaber von Genève Invest, reagiert entschlossen auf die Corona-Krise. Stevan Bukvic
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«Wir haben einen grossen Teil der Aktien ausgetauscht»

Die fünf gefährlichsten Worte an der Börse sind: «Dieses Mal ist es anders.» Doch dieses Mal ist es wohl wirklich anders. Helge Müller von Genève Invest erklärt, was Anleger nun tun sollten.

Interview: Mark van Huisseling

Helge, Müller, an den Aktienmärkten geht es momentan rauf und vor allem runter. Wichtige Börsenindizes haben in den vergangenen Wochen cirka 17 Prozent verloren. Was raten Sie Anlegern?

Was wir von Genève Invest für unsere Kunden getan haben: Wir haben über alles gesehen anteilsmässig recht stark Aktien verkauft. Diesen Entscheid haben wir nicht leichtfertig gefällt. Denn wir sind vorsichtig, was den Ein- und Ausstieg betrifft. Doch als vor wenigen Wochen bekannt wurde, wie viele Menschen in Italien und im Iran an Covid-19, der Krankheit, die das neue Corona-Virus verursacht, leiden, haben wir gesehen, dass sich dieses Virus nicht mit Epidemien wie Sars oder Ebola vergleichen lässt. Dieses Mal haben wir es mit einer Pandemie zu tun, einer länder- und kontinentübergreifenden Krankheitsausbreitung.

Dennoch waren die Aktien der meisten Unternehmen Ende Februar immer noch höher bewertet als zwei Monate zuvor, als noch niemand vom Corona-Virus sprach.

Richtig. Und dies trotz Warnungen wie von der Adidas- oder L’Oréal-Geschäftsleitung nach starken Umsatzeinbussen in China, dass diese Krankheit auf die Käuferbefindlichkeit durchschlagen werde.

«Nur wer zur rechten Zeit aus- und einsteigt und richtig investiert, darf sich als Gewinner sehen.»

Sie sind rechtzeitig ausgestiegen, was oft nicht gelingt. Waren Sie besonders vorsichtig, weil das Absturzrisiko besonders hoch war nach dem Aktien-Höhenflug der jüngeren Vergangenheit?

Einen guten Zeitpunkt für den Ausstieg zu finden, ist das Eine. Das Andere ist, zur richtigen Zeit wieder einzusteigen. Und dann auch in die richtigen Titel respektive Anlagekategorien zu investieren. Nur wem das gelingt, der darf sich als Gewinner bezeichnen. Wir haben einen grossen Teil der Aktien, die wir hielten, etwa von Technologiefirmen wie Microsoft, deren Kurse sich in den letzten ein, zwei Jahren teilweise verdoppelt oder verdreifacht haben, ausgetauscht gegen defensivere Werte oder Johnson and Johnson, dem Pharmazie- und Konsumgüterhersteller.

Sie bleiben aber bei Aktien?

In vielen unserer Kundendepots beträgt der Aktienanteil immer noch gegen 50 Prozent. Wir haben Anleihen dazu gekauft und halten zur Zeit einen verhältnismässig hohen Bestand an flüssigen Mitteln respektive deutschen und amerikanischen Staatsanleihen. Diese rentieren zwar im Augenblick negativ, wir gehen aber davon aus, dass sie stark gefragt sein werden, falls die Aktienbörsen noch weiter runtergehen.

Denken Sie, dass viele Titel noch immer überbewertet sind?

Es stimmt, dass viele Aktienmärkte vergangenes Jahr stark gestiegen sind. Doch wenn man die Entwicklung längerfristig betrachtet, zeigt sich ein anderes Bild: Die Aktien der grössten europäischen Firmen, die im Euro Stoxx 50 zusammengefasst sind, haben von 2007 bis 2019 nicht an Wert gewonnen, sondern verloren. Das hängt damit zusammen, dass beispielsweise europäische Finanzunternehmen einen schlechten Geschäftsgang hatten, oder die für Europa wichtigen Firmen der Autoindustrie.

«Längerfristig sind wir immer noch zuversichtlich.»

Wie sieht es in den USA aus?

Auch der amerikanische S&P 500-Index hat sich in dieser Zeit gar nicht so stark entwickelt, wenn man die sogenannten FAANG-Titel (die Technologie-Firmen Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google; Microsoft gehört im Grunde auch dazu) ausscheidet. Wir sind der Meinung, dass die FAANG-Aktien plus Microsoft zwar teuer sind, dass dies aber mit dem Geschäftsmodell der Unternehmen zu rechtfertigen ist. Das heisst, das war so, bevor sich das Corona-Virus verbreitete. Längerfristig sind wir aber immer noch zuversichtlich, dass diese Unternehmen weiter aussergewöhnlich hohe Gewinne erzielen werden.

Wann, denken Sie, werden die Märkte Boden finden, die Kurse also nicht weiter fallen?

Es gibt drei mögliche Szenarien, wie sich das Corona-Virus entwickelt:

  1. Eine Pandemie, davon spricht mittlerweile die Weltgesundheitsorganisation WHO.

  2. Eine grosse Krise, die Krankheit verbreitet sich aber mit dem Einsetzen wärmeren Wetters langsamer.

  3. Es findet eine rasche Erholung statt.

Beim ersten Szenario würden die Aktienindizes wohl bis zu 50 Prozent fallen. Beim zweiten läge der Verlust bei 20 bis 30 Prozent. Und beim dritten Szenario könnten die Kurse zirka 10 Prozent steigen. Zurzeit sieht es am ehesten danach aus, als bekämen wir es mit der zweiten Entwicklung zu tun.

Sicher ist das aber nicht.

Die Entscheidung, wann der Zeitpunkt zum Wiedereinstieg, also Aktien zu kaufen, richtig ist, bleibt herausfordernd. Denn Märkte fallen oft nicht auf ein vernünftiges Niveau, sondern übertreiben. Der grosse Anleger André Kostolany verwendete zur Veranschaulichung das Bild vom Hundehalter beim Spaziergang – mal rannte der Hund weit vor ihm her und manchmal weit hinter ihm, weil er eine Fährte witterte oder so.

Das neue Corona Virus ist ein sogenannter schwarzer Schwan. Sind Störungen durch solche unvorhersehbaren Ereignisse weniger nachhaltig als Korrekturen, die durch politische oder wirtschaftliche Risiken ausgelöst werden?

Man sagt, politische Risiken hätten kurze Beine. Selbst grosse Vorkommnisse wie die Kubakrise hatten keine langen Auswirkungen auf die Märkte, es braucht schon Mega-Ereignisse wie zum Beispiel Weltkriege, um Rezessionen oder Depressionen auszulösen. Wirtschaftliche Entwicklungen dagegen beeinflussen die Börsen deutlich mehr. Und dann kann man wiederum sagen, wenn man Vergleichbares schon erlebt hat, verlaufen Rückschläge disziplinierter. Im Augenblick darf es als positiv gewertet werden, dass die Zahl der Neuansteckungen mit Covid-19 in China zurückgehen. Die Geschäftsaussichten bestimmter Industrien wiederum schädigen die Folgen des Virus‘ nachhaltig: Darunter Flug- und Kreuzfahrt-Gesellschaften, Tourismusunternehmen oder Automobilhersteller.

«Die gute Nachricht: Es entstehen attraktive Einstiegschancen.»

Wenn wir es davon haben: Wie beurteilen Sie das Preisdumping Saudi Arabiens beim Erdöl respektive dessen ungebremste Produktion und das dadurch entstehende Überangebot?

Wahnsinnig dramatisch, das nehmen wir sehr ernst. Die Märkte reagieren adäquat (die Börsen-Tagesverluste vom 9. März von rund 7 Prozent standen damit im Zusammenhang; der Ölpreis fiel zeitweise um 30 Prozent, Red.). Auf hohe Nachfrage-Einbrüche wie durch reduzierte Mobilität wegen der Corona-Krise lässt sich angebotsseitig nur durch Reduzieren der Fördermenge reagieren. Die täglich hergestellten Ölmengen sind zu gross, um sie lagern zu können. Und Preisnachlässe von Benzin oder Kerosin führen auch nicht dazu, dass Konsumenten viel mehr Auto fahren oder fliegen.

Das heisst, für die Ölproduzenten mit den höchsten Preisen, wird es sehr schwierig.

Genau, das betrifft die Hersteller in Amerika. Saudi Arabien dagegen produziert am günstigsten, das Land verdient selbst bei 5 Dollar je Fass noch Geld. Das wird zu starken Reaktionen am Anleihenmarkt führen, denn amerikanische und andere Ölproduzenten, die am Kapitalmarkt hunderte von Milliarden beschafft haben, dürften die Zinsen nicht mehr bedienen und Kredite nicht zurückzahlen können.

Und das bedeutet?

Unter den Auswirkungen dieses sogenannten «Credit Crunchs» werden auch Anleihen guter und kreditwürdiger Unternehmen leiden, ihre Kurse werden sinken, die Renditen steigen. Die gute Nachricht: Da entstehen attraktive Einstiegschancen. Gerade weil es länger dauern dürfte, bis es bei Aktien wieder soweit sein wird.

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Dieser Beitrag wurde durch Commercial Publishing von Tamedia für unseren Kunden Genève Invest erstellt.

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