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Kostenlos lesen: «Hunkeler in der Wildnis»

Fesselnder Lesespass mit «Hunkeler in der Wildnis». Jeden Tag einen neuen Teil zum Lesen!

Liebe Leserinnen und Leser!

In schwierigen Zeiten wie diesen ist vor allem eines wichtig: Zusammenhalt und das Wissen, nicht alleine zu sein. Und was verbindet mehr, als gemeinsam für kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen und auf eine gemeinsame Phantasiereise zu gehen?

Zusammen mit dem Diogenes Verlag schenkt 20 Minuten deswegen allen Menschen in der Schweiz jeden Tag ein Stück spannender Literatur zum gemeinsamen Schmökern. Wir publizieren täglich kostenlos ein Kapitel des fesselnden Krimi-Romans «Hunkeler in der Wildnis» des Aarauer Schriftstellers Hansjörg Schneider.

Lasst euch vom Lesevergnügen packen, teilt es mit euren Liebsten und vergesst nicht auf die kleinen Freuden im Leben. Bleibt gesund und passt auf euch und eure Mitmenschen auf!

Teil 1:

Peter Hunkeler, ehemaliger Kommissär des Kriminalkommissariats Basel, nun im Ruhestand lebend, saß vor dem Kiosk von Erkan Kaya beim Eingang zum Kannenfeldpark und blätterte in einer Zeitung. Es war ein Sonntag im Juni, ein schöner Sommermorgen, die Sonne schien ihm angenehm ins Gesicht. Vor sich hatte er eine Tasse Kaffee, die ihm Frau Koller gebracht hatte.

Eigentlich war es schon lange kein bloßer Kiosk mehr, sondern ein richtiges Straßencafé. Ein Dutzend Tischchen, einige unter einem Vordach. Ein kleiner Anbau mit weiteren sechs Tischchen, für kalte, regnerische Tage. Man konnte essen hier, belegte Brote und heiße Würstchen. Dies alles hatte sich Erkan geduldig und schlau erkämpft in den letzten Jahren, den Behörden und den umliegenden Wirtschaften zum Trotz, die Einspruch gegen die drohende Konkurrenz erhoben. Aber Erkan hatte sich durchgesetzt. Und an schönen Tagen wie heute war hier reger Betrieb.

Hunkeler nahm einen Schluck aus der Tasse, zufrieden mit sich und der Welt. Er hatte in seiner Wohnung in der Mittleren Straße übernachtet, da es ihm in seinem Haus im Elsass öde geworden war. Ab und an brauchte er die Stadt, die Häuser ringsum, die Menschen, auch wenn sie noch in ihren Betten lagen und schliefen, wie jetzt. Dann schien die Welt aufgeräumt zu sein und zu glänzen.

Er sah zwei junge Typen vorbeirennen, in beachtlichem Tempo. Sie rannten wie fast alle Jogger im Gegenuhrzeigersinn. Eigentlich seltsam, dachte Hunkeler, dass alle in die gleiche Richtung rannten. Vorschrift war es ja nicht. Auch er war stets im Gegenuhrzeigersinn gerannt, fiel ihm ein, als er noch gerannt war. Aber das war vorbei. Heute ging er nur noch. Der Rücken, das Knie, der Fuß.

Er sah aus den Augenwinkeln, wie ein älterer Mann durch den pompösen Parkeingang kam. Dieser Eingang erinnerte als Einziges noch daran, dass hier ein städtischer Friedhof gewesen war. Ein Gottesacker, wie man in Basel sagte. In diesem Acker Gottes lagen wohl noch immer ein paar tausend Totengerippe drei Meter tief in der Erde. Ein tröstlicher Gedanke, fand Hunkeler. Unten ruhen die Toten, oben über den Kiesweg rennen die Lebenden. Und schon mittags würde es hier wimmeln von Eltern und ihren Kindern, die zwischen den immergrünen Trauergewächsen wie Buchs, Thuja und Eibe Fangen spielten.

Der ältere Mann trug Schirmmütze und Sonnenbrille. Er hieß Otto. Ein Rentner, der in einem der Wohnblocks nebenan wohnte, allein. Er kam jeden Morgen, um ein bisschen zu plaudern. Hunkeler hasste das, am Morgen mochte er nicht reden. Er blätterte in seiner Zeitung und hörte, wie Otto ein Ginger-Ale mit Zitronenschnitz bestellte. Er tat das jeden Morgen. Er setzte sich nie, sondern blieb immer an der Theke und schwatzte über irgendwas.

Aber an diesem Morgen mochte auch Frau Koller nicht. Sie half Erkan im Kiosk, die Brötchen mit Butter zu bestreichen und mit Ei und Büchsenspargeln zu belegen.

Hunkeler las einen Artikel über eine spanische Stadt, in der ein junger Mann mit einem Auto mehrere Menschen totgefahren hatte. Eigentlich wollte er nichts wissen davon, der Morgen war zu schön. Aber dieser Angriff auf unschuldige Menschen war von einer Zielstrebigkeit und Brutalität, die ihn wütend machten.

»Was regst du dich auf?«, fragte Otto.

»Ich rege mich nicht auf«, behauptete Hunkeler.

»Doch, du hast etwas gemurmelt, etwas Böses.«

»Es ist wegen des Attentats. Was stellen sich diese Typen vor? Glauben sie, sie können die Welt durch Mord verbessern?«

»Das sind Verrückte«, sagte Otto und zündete sich eine Zigarette an. »Die muss man totschießen.«

Hunkeler legte die Zeitung weg.

»Ich frage mich«, sagte er, »wie sie so weit kommen. Junge Kerle, die etwas lernen sollten. Wie man arbeitet, wie man lebt. Stattdessen lernen sie, wie man möglichst viele Menschen umbringt.«

»Das ist der Islam«, sagte Otto, »das ist eine Religion der Gewalt.«

»Red keinen Unsinn«, sagte Erkan, der nach vorn gekommen war. »Ich bin Muslim. Bin ich Gewalt?«

»Ach so«, sagte Otto. »Nein, du natürlich nicht.«

»Auch meine Mutter nicht. Und mein Vater nicht. Und meine Schwestern nicht und meine Brüder nicht. Also rede keinen solchen Unsinn, bitte.«

»Jetzt sei doch nicht gleich beleidigt, es tut mir ja leid. Ich meine nicht dich.«

»Wen denn? Bin ich Muslim oder nicht? Bin ich dein Freund und Nachbar oder nicht?«

»Natürlich bist du mein Freund und Nachbar. Ich bin halt ein alter Schwätzer.«

»Stimmt«, sagte Erkan.

Draußen auf der offenen Wiese segelte ein großer Vogel heran, schwarzweiß gezeichnet, mit langem, rötlichem Schnabel. Er streckte die Beine vor, die riesigen Schwingen wie ein bremsendes Segel ausgespannt, und setzte auf. Es war Willy, der Storch, der im Basler Zoo daheim war und jeden Morgen einen Ausflug hierher unternahm, um von Frau Koller gefüttert zu werden. Gewöhnliche Wurst und Schinken verschmähte er. Er fraß nur Salami, und zwar fein geschnitten.

»Willy ist da«, meldete Otto.

»Der kann warten«, sagte Frau Koller, »ich habe bloß zwei Hände.«

Der Storch stakste zögernd heran. Er war recht zutraulich zu Menschen. Bloß Kinder mochte er nicht. Und er war hartnäckig. Er blieb so lange, bis er ein paar Scheiben Salami bekam.

Vom Turm der nahen Johanneskirche war eine Glocke zu hören. Weitere, tiefere setzten ein, ein sonntäglich friedliches Klingen und Dröhnen. Auch das Geläut der Antoniuskirche schwang mit, vom mächtigen Betonturm herunter, den man im Viertel Seelensilo nannte. Basel schien nur noch aus Glocken zu bestehen. Hunkeler liebte das. Er war zwar schon lange aus der Kirche ausgetreten. Aber er mochte es, wenn das tönende Erz die Luft über der Stadt erzittern ließ. Zu Ehren Gottes des Allmächtigen vielleicht? Zu Ehren der Muttergottes? Oder schlicht zur Feier des Sonntags?

Das Haus, in dem er aufgewachsen war, kam ihm in den Sinn. Der Kiesweg um das Haus herum, den er immer am Samstagabend rechen musste, um die Kiesel zu lockern und schön über den Weg zu verteilen. Er begriff den Sinn dieser Arbeit nie, er hatte schon damals viel für organische Unordnung übrig. Aber wenn er den Rechen durch die Kiesel zog und Druck aufsetzte, damit die Steinchen aus dem festen Boden gerissen wurden, überkam ihn jeweils die Genugtuung, dass mit dieser Arbeit alles in Ordnung gebracht wurde. Dann setzten im nahen Städtchen die Glocken ein. Erst die hohe, noch kaum wahrnehmbar. Dann die tiefen, die weiter trugen. Zuletzt der Bass, der das ganze Tal ausfüllte bis zu den bewaldeten Hügeln hinauf.


Die Fortsetzung folgt morgen. Du findest sämtliche Kapitel hier im Kanal:
20min.ch/diogenes

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Bild: Philipp Keel / © Diogenes Verlag

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Teilnameschluss: 19. April 2020