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Der tägliche Gratis-Krimi: Teil 14

Fesselnder Lesespass mit «Hunkeler in der Wildnis». Jeden Tag einen neuen Teil zum Lesen!

Liebe Leserinnen und Leser!

In schwierigen Zeiten wie diesen ist vor allem eines wichtig: Zusammenhalt und das Wissen, nicht alleine zu sein. Und was verbindet mehr, als gemeinsam für kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen und auf eine gemeinsame Phantasiereise zu gehen?

Zusammen mit dem Diogenes Verlag schenkt 20 Minuten deswegen allen Menschen in der Schweiz jeden Tag ein Stück spannender Literatur zum gemeinsamen Schmökern. Wir publizieren täglich kostenlos ein Kapitel des fesselnden Krimi-Romans «Hunkeler in der Wildnis» des Aarauer Schriftstellers Hansjörg Schneider.

Lasst euch vom Lesevergnügen packen, teilt es mit euren Liebsten und vergesst nicht auf die kleinen Freuden im Leben. Bleibt gesund und passt auf euch und eure Mitmenschen auf!

Du warst nicht von Anfang an dabei? Kein Problem, hier findest du alle Kapitel.

Teil 14:

Hedwig kam um halb acht. Sie stieg aus ihrem kleinen weißen Renault und sah ihn unter dem Scheunendach sitzen. Sie trug einen breitrandigen Strohhut und winkte ihm zu.

»Trinken wir einen Schluck Pinot noir?«, fragte sie, als sie sich umarmt hatten.

»Für mich ein Bier heute«, sagte er. »Wie war es in Lucca? Erzähl.«

»Wunderschöne Toskana. Aber sehr heiß, viele Touristen.«

Sie hob den Hut vom Kopf und schüttelte ihr volles Haar.

»Wie findest du ihn?«

»Sommer, Salz auf der Haut und Pinien, wie damals auf Elba.«

»Machst du dich lustig über mich?«

»Aber nein. Eben, als du ausgestiegen bist, habe ich gedacht, dass ich Glück hatte, dich zu erwischen.«

»So? Hast du das? Hast du mich erwischt?«

»Jedenfalls nicht gestohlen. Und gekauft habe ich dich auch nicht.«

Jetzt musste sie lachen, was ihm überaus gut gefiel.

»Vielleicht hast du mich in einer dunklen Ecke geklaut. Aber warum hast du das Handy ausgeschaltet?«

»Weil ich mit niemandem reden wollte.«

»Auch nicht mit mir?«

»Für einmal nicht, nein. Ich wollte in mich hineinsinken.«

Sie musterte ihn sehr skeptisch.

»Was ist eigentlich mit diesem Schmidinger? Und mit dem Eisernen Kreuz?«

»Er ist erschlagen worden. Und das Eiserne Kreuz habe ich in der linken Hosentasche.«

»Bist du wahnsinnig geworden? Du hast mir hoch und heilig versprochen, dass du dich nicht mehr einmischen wirst. Und jetzt rennst du mit diesem verfluchten Kreuz durch die Gegend. Nein, mit so einem will ich nicht alt werden. Was ist das eigentlich genau für ein Kreuz?«

»Es wurde von der deutschen Wehrmacht für besondere Tapferkeit vergeben. Schmidinger hat es von seinem Vater geerbt.«

»Und jetzt steckt es also in deiner Hosentasche. Warum?«

»Das ist genau das, was ich selber nicht genau verstehe.«

Die Wirtin erschien, um die Bestellung aufzunehmen. Ein Bier, ein Viertel Pinot noir, zweimal Pâté mit Salat und viel Wasser.

»Haben Sie den Brief gelesen?«, fragte sie.

Hunkeler schüttelte den Kopf.

»Non.«

»Was soll das für ein Brief sein?«, fragte Hedwig.

»Sie hat mir einen Brief aus ihrer Familie gegeben. Von einem jungen Mann, der als deutscher Soldat 1944 in Russland wegen Fahnenflucht erschossen wurde.«

»Es wird also nichts mit einem gemütlichen Abend zu zweit. Manchmal denke ich, dass du das Unglück anziehst wie ein Magnet. Warum gibt sie diesen Brief gerade dir?«

»Sie hat gesagt, weil ich ein Poet sei.«

»Du und ein Poet, da lachen ja die Hühner. Du bist ein richtiger Misanthrop. Jawohl, das ist das richtige Wort für dich.«

»Stimmt nicht. Was kann ich dafür? Das Unglück tropft aus jedem Haus, wo Menschen wohnen. Aus allen Fenstern.«

»Ach was. Du hast einfach den falschen Beruf.«

»Ich bin in Rente.«

»Ach so? Hast du den Brief gelesen oder nicht?«

»Natürlich. Was meinst du denn?«

»Und wo hast du ihn versteckt?«

»Oben auf dem Dachboden, in einem alten Koffer.«

»Und was liegt sonst noch alles in diesem Koffer?«

»Das weiß ich doch nicht. Vielleicht die Erinnerungen der Leute, die vor uns im Haus gewohnt haben.«

»Diese Erinnerungen gehen dich doch gar nichts an.«

»Deshalb liegen sie ja auch auf dem Dachboden!«

»Vielleicht sollten wir aufhören«, sagte sie, »uns gegenseitig anzubrüllen.«

»Gut, ich brülle nicht mehr.«

Sie saßen ruhig, erschöpft vom Streit. Bis die Wirtin das Gewünschte brachte.

»Bon appétit.«

Hedwig brach ein Stück vom Baguette ab und biss hinein, dass es krachte.

»Ich habe einen Riesenhunger«, sagte sie, »zum Wohl.«

Die Pastete war hausgemacht, mit leckeren Pfefferkörnern drin. Der Salat kam frisch aus dem Garten.

»Ein kleiner Streit kann richtig belebend wirken«, sagte sie. »Ich kann sonst nirgends streiten, außer mit dir. Im Kindergarten nicht, mit den Kolleginnen und Kollegen nicht, in Lucca nicht mit der Gruppe. Immer einfühlsam, immer sanft, es ist zum Kotzen langweilig.«

»Ich brülle zu viel, ich weiß. Tut mir leid.«

»Es soll dir nicht leidtun. Es soll dir guttun. Hör mal, wir sollten wieder einmal zusammen ans Meer fahren.«

»Unbedingt.«

»Übrigens, wenn du dich in fremdes Unglück vertiefen willst, dann fahr nach Lucca. Wir haben in einem Hotel in der Mauer des alten Amphitheaters gewohnt, aus der Römerzeit. In diesem Amphitheater haben die Römer, das große Kulturvolk, das uns zum Beispiel diesen herrlichen Wein gebracht hat, ganze Volksstämme zu Tode gequält. Kelten, aufständische Sklaven, die ersten Christen. Die haben sie gekreuzigt, vor aller Augen. Und was kannst du dafür? Rein gar nichts. Wir waren eine Gruppe Kindergärtnerinnen aus Lörrach, St.-Louis und Basel. Wir haben diskutiert über die zunehmende Sommerhitze im Dreiländereck, die stickige Luft, den niedrigen Wasserstand des Rheins. Das sind die Themen, die dich interessieren sollten, Mann. Hol drinnen bitte noch ein Stück Baguette. Und dann bringst du mich heim in dein Haus und legst dich zu mir. Und bitte recht freundlich.«


Am andern Morgen erwachte er in Hedwigs Bett. Er merkte das an ihrem Duft, der ihn einhüllte. Er tastete nach ihrem Leib, vergebens. Dann hörte er die Stiege knarren, die hinauf zum Toilettenraum führte. Es war Hedwigs langsamer Morgentritt, der ihm so vertraut war wie sein eigener Arm. Sie war zeitig dran, sie musste zur Arbeit nach Basel fahren. Beruhigt ließ er sich ins weiche Kissen zurückfallen.

Eine heiße Nacht war es gewesen, wie in früher, ferner Zeit. Er mochte Hedwigs Stimme, ihre Wörter, die Art, wie sie sich entscheiden konnte. Und er mochte über alles ihre Liebe.

Er schloss die Augen und rollte sich wieder ein. Dies war die schönste Zeit des Tages, wenn er aus tiefer Nacht erwachte und erkannte, dass alles in Ordnung war. Die Welt der Träume, der er dann manchmal entstieg, war ganz und gar nicht in Ordnung. Er wusste das, obwohl er sich beim Erwachen kaum je an einen genau umrissenen, erzählbaren Traum erinnern konnte. Bloß an beängstigende Unordnung, in der alles Vernünftige aus den Fugen geraten war. An unnennbare Bedrohung, an Verfolgung, der er nur mit knapper Not entrann. Die Gestalten, die er nicht definieren, über die er nicht reden konnte, weil er sie nicht kannte, waren durch das Aufblitzen der Vernunft beim Erwachen bloß aufgeschoben, nicht aufgehoben. Sie lauerten weiter, jede Nacht.

Er wusste das, seit Jahren. Er hatte sich daran gewöhnt. Vor Jahrzehnten war er deswegen einmal bei einem Therapeuten gewesen. Er sei halt neurotisch, hatte dieser gemeint, aber dies sei in der heutigen Zeit stinknormal.

Am besten ging es ihm jeweils beim Erwachen aus solchen Verfolgungsträumen, wenn er Hedwigs Leib neben sich spürte. Oder ihre Atemzüge vernahm. Die Macht der Träume, dachte er, kam nicht an gegen die Liebe einer Frau.

Er war wieder eingenickt in einen hellen, traumlosen Morgenschlaf, als ihn Hedwigs Stimme weckte. Sie rief zum Frühstück. Er erhob sich und wandelte im langen weißen Nachthemd durch Stube und Gang in die Küche. Dort setzte er sich und schaute eine Weile wortlos den beiden Katzen am Boden zu, die Milch läppelten. Dann schlug er das Ei auf, das ihm Hedwig hingestellt hatte, und schlürf‌te es aus. Er griff zur Teekanne, schenkte sich Schwarztee ein, dazu einen Schuss Milch, und trank.

»Herrlich«, sagte er, »und vielen Dank.«

Sie stellte ihre leere Kaffeetasse hin. Sie war in Eile und erhob sich.

»Du hast übrigens geschrien wie ein einsamer Wolf in kalter Polarnacht«, sagte sie. »Du solltest dich wohl öfter zu mir legen.«

»Stimmt«, sagte er.

Draußen krähte Hahn Fritz, ziemlich erbärmlich.

»Dem alten Geier da draußen«, sagte sie, »könntest du eigentlich den Hals umdrehen. Es war noch dunkel, als er mich geweckt hat.«

»Dann ist ja alles in bester Ordnung.«

Die Fortsetzung folgt morgen. Du findest sämtliche Kapitel hier im Kanal: 20min.ch/diogenes

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Hansjörg Schneiders «Hunkeler in der Wildnis» liest du jetzt exklusiv auf 20min.ch.

Bild: Philipp Keel / © Diogenes Verlag

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Teilnameschluss: 19. April 2020