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Der tägliche Gratis-Krimi: Teil 18

Fesselnder Lesespass mit «Hunkeler in der Wildnis». Jeden Tag einen neuen Teil zum Lesen!

Liebe Leserinnen und Leser!

In schwierigen Zeiten wie diesen ist vor allem eines wichtig: Zusammenhalt und das Wissen, nicht alleine zu sein. Und was verbindet mehr, als gemeinsam für kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen und auf eine gemeinsame Phantasiereise zu gehen?

Zusammen mit dem Diogenes Verlag schenkt 20 Minuten deswegen allen Menschen in der Schweiz jeden Tag ein Stück spannender Literatur zum gemeinsamen Schmökern. Wir publizieren täglich kostenlos ein Kapitel des fesselnden Krimi-Romans «Hunkeler in der Wildnis» des Aarauer Schriftstellers Hansjörg Schneider.

Lasst euch vom Lesevergnügen packen, teilt es mit euren Liebsten und vergesst nicht auf die kleinen Freuden im Leben. Bleibt gesund und passt auf euch und eure Mitmenschen auf!

Du warst nicht von Anfang an dabei? Kein Problem, hier findest du alle Kapitel.

Teil 18:

Hunkeler wusste, dass der eigentliche Sündenfall im Alten Testament das Essen von der verbotenen Frucht im Paradies war. Aber warum, überlegte er, hatte Gott der Herr diesen Baum samt Frucht und Schlange ins Paradies gepflanzt, wenn er doch wollte, dass Adam und Eva nicht davon aßen? Bloß um seine Macht zu zeigen, etwas zu verbieten? Es war doch klar, dass Adam und Eva neugierig wurden und irgendeinmal hineinbissen. Er selber, Hunkeler, hätte auch hineingebissen. Er kannte solch unsinnige Verbote zur Genüge aus seiner Jugend. Weshalb ihm die neugierige, freche Eva schon immer sehr sympathisch war. Und Kain, der seinen Bruder Abel erschlug, schon immer unsympathisch. Weshalb für ihn dieser Totschlag der eigentliche Sündenfall war.

Kain, der ortsansässige Bauer, der den Nomaden Abel erschlug. Der säen und ernten musste, um zu überleben, und sich deshalb nicht von der Stelle bewegte. Dessen Denken klein wurde und sich immer mehr auf sein kleines Stück Land beschränkte. Auf der andern Seite Abel, der mit seinen Tieren herumzog von Weideplatz zu Weideplatz, von Brunnen zu Brunnen. Der frei und groß dachte, da er frei und groß denken musste, um den Überblick zu wahren.

Aber Kain erschlug Abel, nicht umgekehrt.

Hunkeler wäre gerne ein Nomade gewesen. Besitzlos herumziehen, dachte er, mit nichts als einem Rucksack auf dem Rücken und ein paar Franken in der Tasche. So wie früher, als er durch Europa trampte. Aber das ging halt nicht mehr. Der Rücken, das Knie, der Fuß. Zudem hatte er Besitz. Eine feste Rente, nicht zu knapp. Und das Haus im Elsass, dessen Wert sich in der Zeit, seit er es besaß, gut und gerne verdoppelt hatte. Fast schämte er sich, dass es mit ihm so weit gekommen war. Er hockte auf seinem Besitz wie Kain auf seinem Acker. Er bewegte sich nur noch von der Stelle, wenn er von seiner Basler Wohnung ins Elsass fuhr. Und wie war das eigentlich mit seinem Denken? War er zum Kleingeist geworden?

Er sah links den Fußweg abzweigen, der zur Antoniuskirche führte. Er beschloss, der Kirche einen Besuch abzustatten.

Die Messe war schon eine Weile beendet. Einige Menschengruppen standen vor dem Eingang und unterhielten sich. Sie kamen, wie er hörte, vor allem aus Italien. Neben der Eingangstür hing ein Werbespruch der katholischen Kirche: Komm in Reichweite, Christen haben Energie. Er fand diese Worte ziemlich blöde. Schließlich hatte auch das städtische Elektrizitätswerk Energie und jeder Schokoriegel. Viel besser gefielen ihm die alten Sprüche des Jesus von Nazareth. Die Ersten werden die Letzten sein, zum Beispiel. Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr denn ein Reicher ins Paradies. Das war Dynamit, das war Revolution. Weshalb der Nazarener ja auch umgebracht wurde. Dem Werbeheini mit seiner Reichweite und Energie hingegen war kein Haar gekrümmt worden. Im Gegenteil, er hatte damit ein paar Tausender verdient.

Die Antoniuskirche war, wie auf einem Aushang zu lesen war, in den Jahren 1926 / 27 erbaut worden. Das erste Gotteshaus der Schweiz aus Sichtbeton.

Das Erste, was Hunkeler auffiel, als er sich drinnen in eine Bank setzte, war die Kühle des Raumes, seine Stille. Die war fast mit Händen zu greifen. Ein hoher Raum, getragen von schlanken Betonsäulen. Das Licht, das durch die bunten Glasfenster hereinfiel. Vorne an der Rückwand des Chors hing Jesus Christus am Kreuz, die Glieder überlang, keineswegs in Schmerzen verzerrt, sondern frei schwebend wie Phönix aus der Asche.

In den vordersten Bänken saßen Familien, die ihre Neugeborenen zur Taufe brachten. Ein weißgewandeter Priester sprach zu ihnen, in gebrochenem Deutsch. Er kam aus Indien, wie er sagte. Ein Mitglied der weltumspannenden Christenheit, das hierher nach Basel geflogen war, um über die Revolution des Glaubens zu predigen. Dann wurde getauft. Ein paar Täuf‌linge schrien. Ein paar Tropfen Wasser auf die Stirn der Neugeborenen, in nomine patris, f‌ilii et spiritu sanctu. Und dies in der heutigen gottlosen Zeit.

Hunkeler blieb sitzen und lauschte den Tönen der einsetzenden Orgel, welche die Kirche bis zum Bersten füllten. Er schaute zu, wie die Patinnen die Täuf‌linge, gebettet auf weißem Linnen, hinaustrugen. Bloß ein paar Frauen blieben sitzen, verteilt auf verschiedene Bänke. Sie flehten zu Gott, vielleicht auch zur Muttergottes Maria. Dann war wieder Stille im Raum.

Nur noch das bebende Licht, das von der fast unendlich weit entfernt explodierenden Sonne eindrang.

Die nächste Portion Lesevergnügen folgt morgen. Du findest sämtliche Kapitel hier im Kanal: 20min.ch/diogenes

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Hansjörg Schneiders «Hunkeler in der Wildnis» liest du jetzt exklusiv auf 20min.ch.

Bild: Philipp Keel / © Diogenes Verlag

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Teilnameschluss: 19. April 2020