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Der tägliche Gratis-Krimi: Teil 19

Fesselnder Lesespass mit «Hunkeler in der Wildnis». Jeden Tag einen neuen Teil zum Lesen!

Liebe Leserinnen und Leser!

In schwierigen Zeiten wie diesen ist vor allem eines wichtig: Zusammenhalt und das Wissen, nicht alleine zu sein. Und was verbindet mehr, als gemeinsam für kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen und auf eine gemeinsame Phantasiereise zu gehen?

Zusammen mit dem Diogenes Verlag schenkt 20 Minuten deswegen allen Menschen in der Schweiz jeden Tag ein Stück spannender Literatur zum gemeinsamen Schmökern. Wir publizieren täglich kostenlos ein Kapitel des fesselnden Krimi-Romans «Hunkeler in der Wildnis» des Aarauer Schriftstellers Hansjörg Schneider.

Lasst euch vom Lesevergnügen packen, teilt es mit euren Liebsten und vergesst nicht auf die kleinen Freuden im Leben. Bleibt gesund und passt auf euch und eure Mitmenschen auf!

Du warst nicht von Anfang an dabei? Kein Problem, hier findest du alle Kapitel.

Teil 19:

Auf dem Rückweg betrat Hunkeler den Kiosk am Burgfelderplatz, um die Sonntagszeitung des Zürcher Boulevardblattes zu kaufen. Er musste einen Augenblick warten, da erst eine alte, verhutzelte Frau an der Reihe war.

»Habe ich gestern meinen Wohnungsschlüssel hier liegen lassen?«, fragte sie.

»Nein«, sagte die Verkäuferin. »Ich habe überall gesucht, er war nirgends.«

»Haben Sie genau gesucht?«

»Ja.«

»Haben Sie draußen übernachtet?«, fragte Hunkeler.

»Ja, in der kalten Nacht«, sagte die Frau und ging hinaus.

»Stimmt das?«, fragte Hunkeler.

»Ach wo«, sagte die Verkäuferin. »Sie kommt jeden Morgen vorbei, um nach dem Schlüssel zu fragen. Bloß, damit sie ein paar Worte wechseln kann. Sie hat eine schöne Wohnung in einem Neubau.«

Er überlegte.

»Wenn ich so weit bin wie diese Frau, werden Sie dann auch so freundlich mit mir reden?«

»Aber sicher. Und einen warmen Kaffee bekommen Sie auch.«

»Abgemacht«, sagte er und ging fröhlich hinaus.


Er schritt den St.-Johanns-Ring hinunter und ging in die Wirtschaft Sommereck. Edi, der Wirt, der weit über hundert Kilo auf die Waage brachte, saß allein am Stammtisch und war daran, ein trübes Pulver in ein Glas zu rühren.

»Was führt dich hierher?«, fragte er.

»Ich will dich besuchen, schauen, wie es dir geht.«

»Du siehst ja, wie es mir geht. Hundsmiserabel. Die Wirtschaft leer, im Wasser ein mieses Pulver, das mir beim Abspecken helfen soll. Die Wahrheit ist aber, dass ich gar nicht abspecken will.«

»Bring mir ein Glas Wasser. Und bitte keine Klagen.«

Er setzte sich und las den Aufmacher auf der Titelseite des Blattes: Der Kannenfeldmord und der Fluch des Eisernen Kreuzes. Er blätterte um und überflog, was Hauser geschrieben hatte. Es war nichts Genaues, das erkannte Hunkeler sofort. Bloß Vermutungen, eine Menge Fragezeichen. Schmidingers Vater kam vor, war er ein SS-Verbrecher? Dann ging es um einen eingebürgerten Italiener, dessen Vater im wilden Gebirge Montenegros umgekommen war. Ein Mord der Waffen-SS? Dann die Frage: Entstiegen den alten Gräbern des Kannenfeldparks neue Untaten? Hunkeler beschloss, nicht weiterzulesen.

»Warum hast du deinen Biergarten nicht geöffnet?«, fragte er.

»Warum soll ich ihn öffnen«, antwortete Edi, »wenn doch niemand kommt?«

»Klar kommt niemand, wenn du geschlossen hast.«

»Nein, umgekehrt. Öffne ich und bereite alles vor, kommt bestimmt ein Gewitter und verhagelt mir alles. Was mache ich dann mit dem, was ich gekocht habe? Soll ich alles selber auf‌fressen? Oder nur noch Pizza anbieten? Teig, ein bisschen minderwertigen Käse drauf und Tomaten aus der Büchse? Ist das der Fraß, den ich meinen Gästen anbieten soll?«

Er griff zur Zeitung und überflog die erste Seite.

»Was weißt du vom Mord im Park? Ist das nicht unerhört? Nicht einmal mehr vor der Totenruhe hat man heute noch Respekt. Vor gar nichts mehr hat man Respekt. Es ist alles nur noch widerlich.«

»Hast du nichts im Kühlschrank?«

»Doch«, sagte Edi, und es war zu sehen, wie ein kleines Licht in seinen Augen aufflackerte. »Einen wundervollen Vorderschinken habe ich, von einem Bauern aus dem Wiesental. Hundertprozentige Biohaltung mit Auslauf, geräuchert im alten Kamin mit Holz aus dem nahen Wald, die pure Natur. Ich könnte dazu ein Baguette aufbacken. Soll ich?«

»Ja sicher sollst du. Oder willst du nur trübes Wasser saufen?«

Eine halbe Stunde später saßen sie draußen unter dem Kastanienbaum an einem weißgedeckten Tisch, darauf hatte Hunkeler bestanden. Feingeschnittener Schinken, ein duftendes Brot, Essiggurken und Senf der scharfen Sorte. Dazu hatte Edi eine Flasche Ihringer vom Kaiserstuhl aufgemacht.

»Der schmeckt ebenso gut wie ein Bordeaux vom Château Margaux«, behauptete er, »vulkanisches Terroir, Kelterung in einem uralten Eichenfass. Zum Wohl.«

»Stimmt«, sagte Hunkeler, nachdem er den ersten Schluck über seine Zunge hatte rollen lassen. »Hauen wir rein.«

Das taten sie. Und Hunkeler staunte wieder einmal, wie gut Schinken, frisches Brot und Rotwein zusammenpassten. Und auch darüber, wie schnell sich Edi dies alles einverleibte.

»Schau nicht so blöd«, sagte der. »Ich weiß, dass ich fresssüchtig bin. Ich werde am Fressen sterben. Oder aber an übergroßer, grenzenlos öder Langeweile. Ich habe dich übrigens beobachtet, wie du die Zeitung gelesen hast. Du hast behauptet, du lässt dich nie mehr auf ein Tötungsdelikt ein.«

»Richtig. Das werde ich nie mehr tun.«

»Falsch. Du hast die Schlagzeilen um den Kannenfeldmord richtiggehend verschlungen. Du steckst da schon mittendrin.«


In der Nacht lag Hunkeler in seinem Schlafzimmer, das auf den Hinterhof hinausging. Üblicherweise fand er schnell Schlaf, wenn er sich niederlegte. Denn der Hinterhof war bestanden von hohen Laubbäumen, welche die Sommerhitze fernhielten. Drei Ahornbäume waren es, mit dichten Laubkronen. Bis vor kurzem war es jedenfalls so gewesen. Bis letzten Januar, als Männer der Stadtgärtnerei auf‌tauchten und den mittleren Ahorn umlegten. Einfach so, ohne Hunkeler zu fragen. So war das eben in der Stadt. Die Anwohner hatten nicht einmal das Recht zu bestimmen, welchen Baum sie vor dem Fenster haben wollten.

Seither gab es eine Baumlücke im Hinterhof, durch welche die Sicht frei war auf die Balkone der gegenüberliegenden Wohnungen. In die oberste dieser Wohnungen war kürzlich junges Volk eingezogen, das in heißen Nächten Partys feierte mit geladenen Gästen, bis zum Morgengrauen. Auch diese Nacht war es so, weshalb Hunkeler seine Balkontür zugesperrt hatte. Was nicht viel nützte. Das Gelächter von drüben wurde lauter mit jeder Flasche, die geöffnet wurde.

Hunkeler wälzte sich in seinem Bett hin und her, bedrängt von Gedanken, die sich um Schmidingers Tod drehten. Um das Eiserne Kreuz, das in seiner Hosentasche auf dem Stuhl lag. Um die Füsilierung des jungen Mannes aus Knoeringue im fernen Russland. Um die SS-Uniform auf dem Dachboden im Elsass. Und um die Geschichte von Luigi Realini, der seinen Vater nie gesehen hatte.

Er versuchte, Bilanz zu ziehen über das, was er wusste und nicht wusste. Er versuchte es immer wieder, gestört vom immer lauter aufbrausenden Gekreische von drüben. Die Bilanz war stets die gleiche. Er wusste so gut wie nichts. Das Einzige, was er in der Hand hatte, war dieses verdammte Eiserne Kreuz.

Er hielt sich mit beiden Händen die Ohren zu, um endlich einschlafen zu können. Es nützte nichts. Als vom Balkon drüben eine weitere Lachsalve abgeschossen wurde, beschloss er zu handeln. Wobei er sich ein bisschen blöd vorkam, denn nie hätte er sich vorstellen können, dass er gegen Nachtruhestörung vorgehen würde. Aber diese Jugend von heute kannte überhaupt kein Maß mehr. Irgendjemand musste ihr Grenzen setzen, sonst lernte sie es nie. Immerhin, sagte er sich, rief er nicht die Polizei an. Ein gewöhnlicher Spießer hätte schon längst zum Telefon gegriffen.

Er erhob sich, ging in die Küche und holte aus dem Kühlschrank ein paar verschrumpelte Kartoffeln. Er tat es, ohne Licht zu machen. Er zog sich das helle Nachthemd aus, das ihn hätte verraten können, und trat auf den Balkon hinaus. Früher war er ein guter Handballer gewesen, darauf vertraute er. Er warf die erste Kartoffel. Sie landete irgendwo im Gebüsch. Die nächste traf immerhin die zweite Etage und schlug dort eine Scheibe ein. Ein Klirren war zu hören. Er grinste zufrieden und konzentrierte sich aufs Neue. Der dritte Wurf saß, es klirrte auch auf dem obersten Balkon. Dann war Stille. Bis eine Männerstimme herüberrief: »Sind Sie wahnsinnig geworden?«

Die Fortsetzung folgt morgen. Du findest sämtliche Kapitel hier im Kanal: 20min.ch/diogenes

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Hansjörg Schneiders «Hunkeler in der Wildnis» liest du jetzt exklusiv auf 20min.ch.

Bild: Philipp Keel / © Diogenes Verlag

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Teilnameschluss: 19. April 2020