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Der tägliche Gratis-Krimi: Teil 20

Fesselnder Lesespass mit «Hunkeler in der Wildnis». Jeden Tag einen neuen Teil zum Lesen!

Liebe Leserinnen und Leser!

In schwierigen Zeiten wie diesen ist vor allem eines wichtig: Zusammenhalt und das Wissen, nicht alleine zu sein. Und was verbindet mehr, als gemeinsam für kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen und auf eine gemeinsame Phantasiereise zu gehen?

Zusammen mit dem Diogenes Verlag schenkt 20 Minuten deswegen allen Menschen in der Schweiz jeden Tag ein Stück spannender Literatur zum gemeinsamen Schmökern. Wir publizieren täglich kostenlos ein Kapitel des fesselnden Krimi-Romans «Hunkeler in der Wildnis» des Aarauer Schriftstellers Hansjörg Schneider.

Lasst euch vom Lesevergnügen packen, teilt es mit euren Liebsten und vergesst nicht auf die kleinen Freuden im Leben. Bleibt gesund und passt auf euch und eure Mitmenschen auf!

Du warst nicht von Anfang an dabei? Kein Problem, hier findest du alle Kapitel.

Teil 20:

Am nächsten Morgen wanderte er den St.-Johanns-Ring hinunter bis zum St.-Johanns-Tor, dann die wenigen Meter zum Rhein hinab. Die Schneeschmelze im Gebirge war vorbei, der Fluss führte fast schon Sommerwasser, grünlich schimmernd im Morgenlicht. Er betrat das Badehaus und sah, dass Marietta an der Arbeit war.

»Kaffee?«, fragte sie.

»Danke, nein. Erst schwimme ich den Bach hinunter.«

Er zog sich um und ging am Ufer entlang flussaufwärts. Er hatte die Mittlere Brücke vor sich, dahinter das rötliche Münster, darüber einen dunkelgrünen Ausläufer der Juraberge. Ein herrliches Bild, alltäglich zwar, aber jeden Morgen wieder erfreulich.

Er beschloss, bis zum Münster hinaufzugehen und die große Strecke zu schwimmen. Er brauchte frische Luft und viel Wasser, er wollte getragen werden vom Fließen des Rheins. Er fühlte sich nämlich nicht besonders wohl an diesem Morgen. Welcher Teufel hatte ihn geritten in der Nacht, als er die Kartoffeln hinübergeschmissen hatte? Gut, er hatte getroffen, eine reife Leistung in seinem Alter. Und danach war es ruhig geworden im Hinterhof. Aber was war alles zu Bruch gegangen? Und wie stand er jetzt da? Als der letzte Spießer in der Mittleren Straße.

Im Aargauer Städtchen, wo er aufgewachsen war, wäre ein solcher Kartoffelwurf ohne weiteres möglich gewesen. Dort kannte man sich, man half sich selber. Ein bisschen Streit hätte es wohl auch dort gegeben. Aber nicht mehr. Hier in Basel hingegen rief man sofort die Polizei zu Hilfe, beim kleinsten Vergehen. Er hatte das in seinem Berufsleben zur Genüge erfahren. Man schimpf‌te und fluchte über die Polizei, bis man sie selber brauchte.

Er ging den Rheinsprung hinauf und kam auf den Münsterplatz. Kein Mensch war zu sehen an diesem Morgen. Kein Bus, keine Touristen. Kurz überlegte er, ob er dem Münster einen Besuch abstatten sollte. Aber das war nicht möglich, er war ja in Badehose.

Er stieg die Treppe hinunter zur Münsterfähre. Dort war eine Badebucht, mitten im Herzen der alten Stadt. Eine kleine Wiese, eine eiserne Leiter, die ins Wasser hinabführte, das hier ruhig lag.

Hunkeler wartete, bis die Fähre abgelegt hatte und draußen am Seil dahinglitt. Dann stieg er die Leiter hinunter und empfand wie stets, wenn er sich ins Wasser begab, den sanften, wohligen Schauer, der vom Wechsel der Elemente herrührte. Klar, er war ein Landtier, das atmen musste, um zu überleben. Aber er war eben auch ein Wassertier, das sich ins Urelement zurücksehnte, aus dem alles Leben entstiegen war.

Er lag eine Weile ruhig auf dem Rücken und ließ sich schaukeln. Bis er sich mit kräftigen Stößen ins Fließende hinausschob, das ihn mitzog unter der Pfalz hindurch Richtung Mittlere Brücke.

Als er beim Rheinbad an Land ging, war ihm wohler. Er duschte sich und dachte dabei an die Malerin, die in der Galerie auf dem Kannenfeldplatz auf einen Zettel geschrieben hatte, sie habe nichts anderes getan, als im Wasser zu schweben, ohne Anfang, ohne Ende. Eine schöne Vorstellung, tatsächlich.

Er holte sich bei Marietta am Kiosk einen Kaffee, ein Croissant und die Basler Zeitung und setzte sich in die Sonne. Er blätterte die Zeitung durch. Es stand nichts drin über Schmidinger. Das war schon einmal gut. Er schaute hinaus aufs Wasser, wo sich ein schwerbeladenes Lastschiff flussaufwärts schob. Drei mächtige Schwäne flogen Richtung Mittlere Brücke, schneeweiß.

Er saß eine ganze Weile auf der Bank, den Rücken an die Wand der Umkleidekabine gelehnt. Der Kaffee war getrunken, das Croissant gegessen, die Zeitung gelesen. Draußen glitt die Zeit vorbei, schien ihm. Das Wasser schob sie meerwärts, wo sie verendete, all die schöne Zeit seines Lebens. Seine Studienzeit an der hiesigen Universität. Sein Leben als Familienvater, das nicht lange anhielt. Seine Berufsjahre auf dem Basler Kriminalkommissariat, im Rückblick nicht der Rede wert. Was ihm merkwürdig erschien, da er über Jahrzehnte seine ganze Energie hineingesteckt hatte. Endlich die Begegnung mit Hedwig, die seinem Leben einen neuen Sinn gegeben hatte. All dies war hier an diesem Fluss geschehen, während von seinem Grund das stete Geräusch der abwärts wandernden Kiesel aufstieg.

Er spürte, wie sich der Schlaf näherte, mit behutsamen Fingern. Er merkte es daran, dass sein Kopf nach vorn fiel. Er ermannte sich und setzte sich wieder gerade hin. Draußen lag immer noch die grünliche Wasseroberfläche. Ein Frauenkopf mit weißer Adlerfeder war zu sehen, der den Landesteg ansteuerte. Es war Sieglinde Renn aus Stuttgart, ehemalige Mitarbeiterin der Basler Zeitung und Spezialistin für Indianer in Arizona, worüber sie mehrere Bücher veröffentlicht hatte. Sie trug stets eine weiße Häuptlingsfeder.

Sie stieg die Treppe herauf zu Mariettas Kiosk.

»Howgh, Sherif‌f«, sagte sie und hob die Hand zum Gruß. »Was spricht die Sonne heute?«

»Howgh, Weiße Feder«, antwortete Hunkeler. »Die Sonne spricht: Verstecke dich vor mir, sonst fresse ich dich.«

»Warum sitzt du denn in ihrem vollen Schein?«

»Um mich zu erholen von der Kälte des Flusses.«

Sie lachte, denn sie liebte dieses Rollenspiel. Und auch er machte gerne mit.

»Was spricht der Mond heute?«, fragte er.

»Er zieht sich zurück, bis er ganz verschwindet. Dann wird die Schwärze der Nacht über dem großen Fluss liegen.«

»Stimmt, der Mond nimmt ab. Erst in gut zwei Wochen ist wieder Vollmond.«

»Du weißt Bescheid über den Stand der Himmelsscheibe?«

»Das ist etwas vom wenigen, was ich aus meiner Kindheit mitgenommen habe. Damals hing der Mond unübersehbar am Himmel. Und wenn er voll war, rollte er riesengroß über den Wald. Soll ich dir ein Gedicht aufsagen?«

»Ja bitte.«

»Es handelt von einem ertrunkenen Mädchen.

Als sie ertrunken war und hinunterschwamm

Von den Bächen in die größeren Flüsse

Schien der Opal des Himmels sehr wundersam

Als ob er die Leiche begütigen müsse.

Das ist von Brecht.«

»War der auch Indianer?«

»Ja, vom Stamm der Schwimmhäute am Lech bei Augsburg.«

»Du bist ein komischer Kerl. Bist Polizist und sagst solche Gedichte auf.«

»Du bist auch komisch. Läufst in Basel herum mit einer weißen Adlerfeder im Stirnband, die in Wahrheit ein Fasnachtsschmuck aus dem Zauberladen in der St.-Johanns-Vorstadt ist.«

»Beleidige nicht meine Häuptlingswürde. Ich bin die erste Frau, die von den Navajos zum Stammeshäuptling gemacht wurde.«

»Ich mag komische Leute. Wohl deshalb, weil ich mir manchmal selber seltsam vorkomme.«

Sie hob die Hand, um ihn zu segnen.

»Der Große Geist möge dich behüten in den schwarzen Nächten, die uns bevorstehen. Hüte dich vor dem Kannenfeldpark. Es schleichen Bleichgesichter herum, die Böses im Sinn haben.«

Sie verschwand in der Umkleidekabine.

Hunkeler blieb sitzen, ziemlich ratlos. Was war das für ein seltsamer Auf‌tritt gewesen? Wie hatte sie ihn dazu gebracht, Mondverse von Brecht aufzusagen? Und was war mit ihrer Weissagung? Etwas konnte er der eigenartigen Lady nicht absprechen. Sie hatte eine enorme Überzeugungskraft. Je verrückter, umso verführerischer. Genau wie in ihren Büchern, von denen er ein paar gelesen hatte, obschon er sie für reine Phantasieprodukte hielt.

Er setzte sich wieder bequem hin, Knie angezogen, den Rücken ans warme Fichtenholz gelehnt, die Augen geschlossen. So hatte er oft in seinem Büro im Waaghof gesessen, wenn er nicht mehr weiterwusste. Auf dem Stuhl aus Eichenholz, den er von zu Hause mitgebracht hatte. Denn Hunkeler wollte auf gewachsenem Holz sitzen, nicht auf irgendwelcher Kunststoffkonstruktion. Und diesmal nickte er tatsächlich ein.

Die Fortsetzung folgt morgen. Du findest sämtliche Kapitel hier im Kanal: 20min.ch/diogenes

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Hansjörg Schneiders «Hunkeler in der Wildnis» liest du jetzt exklusiv auf 20min.ch.

Bild: Philipp Keel / © Diogenes Verlag

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Teilnameschluss: 19. April 2020