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Der tägliche Gratis-Krimi: Teil 21

Fesselnder Lesespass mit «Hunkeler in der Wildnis». Jeden Tag einen neuen Teil zum Lesen!

Liebe Leserinnen und Leser!

In schwierigen Zeiten wie diesen ist vor allem eines wichtig: Zusammenhalt und das Wissen, nicht alleine zu sein. Und was verbindet mehr, als gemeinsam für kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen und auf eine gemeinsame Phantasiereise zu gehen?

Zusammen mit dem Diogenes Verlag schenkt 20 Minuten deswegen allen Menschen in der Schweiz jeden Tag ein Stück spannender Literatur zum gemeinsamen Schmökern. Wir publizieren täglich kostenlos ein Kapitel des fesselnden Krimi-Romans «Hunkeler in der Wildnis» des Aarauer Schriftstellers Hansjörg Schneider.

Lasst euch vom Lesevergnügen packen, teilt es mit euren Liebsten und vergesst nicht auf die kleinen Freuden im Leben. Bleibt gesund und passt auf euch und eure Mitmenschen auf!

Du warst nicht von Anfang an dabei? Kein Problem, hier findest du alle Kapitel.

Teil 21:

Als er erwachte, stand Walter Traufer vor ihm, in nasser Badehose.

»Was seid ihr für Arschlöcher auf dem Waaghof?«, schimpf‌te er. »Was erlaubt ihr euch mit ehrbaren Bürgern?«

»Tut mir leid, ich bin nicht mehr auf dem Kommissariat.«

»Du warst bei der Polizei. Und du wirst immer ein Tschugger bleiben.«

»Moment. Erst muss ich etwas essen, bevor ich mich anschreien lasse.«

Er erhob sich und holte bei Marietta Würstchen mit Senf und einem Stück Schwarzbrot. Er biss hinein, herrlich.

»So, jetzt kannst du mich anschreien.«

»Machst du dich lustig über mich?«

»Nein, warum? Ich habe gehört, du seist drei Nächte auf dem Waaghof gewesen. Über so etwas mache ich mich sicher nicht lustig. Ich weiß, wie schlimm das ist.«

»Was heißt hier schlimm? Es ist ein Skandal!«

»Setz dich doch bitte hin.«

»Warum?«

»Weil wir so besser reden können. Bitte.«

Traufer setzte sich.

»Ich habe über dreißig Jahre mit Kollege Madörin zusammengearbeitet«, sagte Hunkeler. »Ich weiß, was für ein giftiger, scharfer Hund er ist. Und oft übertreibt er.«

»Alles nur, weil ich früher einmal Kommunist gewesen bin. Aber deshalb hat niemand das Recht, mich einzusperren. Ich bin ein freier Schweizer.«

»So verdammt frei sind wir alle nicht mehr«, knurrte Hunkeler. »Weil es die EU nicht mehr zulässt. Politische Freiheit oder das große Geschäftemachen, beides zusammen geht nicht mehr. Das solltest du eigentlich wissen. Als Schriftsteller müsstest du den Überblick haben.«

»Gilt mein Wort nichts mehr? Und das meiner Freundin in Dornach? Und nur, weil ich die beiden Tramtickets, Hin- und Rückfahrt, weggeschmissen habe. Sonst hätte ich beweisen können, dass ich in jener Nacht in Dornach war.«

»Das ist Kleinkram. Der geht mich nichts mehr an.«

»Warum sollte ich Schmidinger umgebracht haben? Bitte sag mir einen einzigen Grund.«

»Das weiß ich doch nicht.«

»Ich schreibe ausschließlich Kriminalromane in letzter Zeit. Basler Krimis. Und zwar über das Viertel, in dem die Spießer wohnen. Da habe ich den Überblick, weil ich selber hier wohne. Und der Fall Schmidinger ist ein Spießermord. Das ganze Milieu ist spießbürgerlich, die Boulespieler. Das sind alles ins Kleinbürgertum aufgestiegene Proletarier. Auch Schmidinger war ein Kleinbürger. Er hat in seinem Feuilleton jedenfalls eine kleinbürgerliche Ästhetik verteidigt. Schon allein deshalb kann ich nicht der Täter gewesen sein. Weil ich noch immer ein Prolet bin. Ich mochte ihn, den Schmidinger. Auch wenn er nicht verlieren konnte. Dann ist er oft richtig ekelhaft geworden.«

»Woher weißt du das?«

»Weil wir, wenn der Mond schien, oft ganze Nächte durchgespielt haben, bis die Amseln sangen.«

»Früher, als wir jung waren«, sagte Hunkeler, »gab es ein schönes, starkes Wort. Klassenbewusstsein. Erinnerst du dich? Voraussetzung für einen Revolutionär war es, ein proletarisches Bewusstsein zu haben. Und wir wollten alle Revolutionäre sein.«

»Sicher erinnere ich mich. Nur musste ich mir mein proletarisches Bewusstsein nicht künstlich, auf dem zweiten Bildungsweg sozusagen, aneignen, da ich ein Arbeiterkind war. Nicht wie die verwöhnten Töchter und Söhne aus den Villen auf dem Bruderholz oben, die sich mit den Arbeitern solidarisieren wollten. Ihre Solidarität hielt so lange, bis sie ihren Uniabschluss hatten und Karriere machten. Ich war nie an der Uni. Ich habe eine Laborantenlehre gemacht und habe eine Zeitlang in der chemischen Industrie gearbeitet. Nicht als Doktor der Chemie, sondern als Handlanger der Chemiker. Als mir dies bewusst wurde, habe ich gekündigt und bin ausgewandert nach Australien. Mit dem Schiff hin durch den Suezkanal. Nach zwei Jahren als chemical assistant zurück durch die Südsee und den Panamakanal. Und stets hatte ich mein proletarisches Bewusstsein bei mir.«

»Warum bist du eigentlich zurückgekommen? Du hattest es doch gut in Australien.«

»Ja, sie wollten mich behalten und an die Uni schicken. Aber es war mir ernst mit dem Klassenkampf, mit der Revolution. Zudem wollte ich Schriftsteller werden. Und zwar hier in Basel, wo ich mich auskenne. Ich wollte das Basler Proletariat aufrütteln mit meiner Literatur, indem ich meine Kindheit und Jugend möglichst genau schilderte. Die Enge der Wohnung drüben im Kleinbasler Klybeck-Viertel. Die Enge des Denkens im Kopf meines Vaters. Und ich hatte Erfolg mit meinen Büchern. Aber eben nicht bei der Arbeiterschaft, sondern bei meinen Gegnern. Beim Großkritiker Werner Weber zum Beispiel von der Neuen Zürcher Zeitung, der meine Literatur lobte als Bericht aus der Arbeiterwelt.«

»Ich habe diese Bücher damals gerne gelesen«, sagte Hunkeler. »Weil es gute Bücher waren. Aber ich glaube nicht, dass man mit Romanen die Klassengesellschaft verändern kann.«

»Wie denn sonst? Die Realität bestimmt das Bewusstsein, du kennst doch diesen Satz. Erst das Beschreiben, dann das Lesen, dann das Nachdenken und Verändern des Bewusstseins und zuletzt die Veränderung der Realität. Das ist der chemische Ablauf jeder gesellschaftlichen Veränderung.«

»Das klingt gut. Aber klappt es auch? Ich meine, nicht nur im chemischen, sondern auch im gesellschaftlichen Versuch?«

Traufer schüttelte den Kopf. In seinen Augen glomm Hass auf.

»Nein. Weil die Arbeiterschaft zu blöde ist. Sie hat sich bestechen lassen. Ein Kleinwagen und zwei Wochen Urlaub an der blauen Adria genügten diesen Idioten. Kühlschrank, Waschmaschine und Fernseher. Konsum und noch mehr Konsum von Gütern, die sie zwar selber produzierten, aber mit Produktionsmitteln, die nicht ihnen gehörten, sondern dem Großkapital. Die klassische Ausbeutung. Das hätten sie eigentlich merken sollen. Sie haben es aber nicht gemerkt. Sondern sie dehnten den Konsum weiter aus mit Flugreisen nach Spitzbergen, Feuerland und in die Rocky Mountains. Wie ich sie hasse, diese Arschlöcher. Sie haben mich allesamt verraten.«

»Du solltest aber nicht sie hassen, Genosse. Sondern die Kapitalisten.«

»Ich bin der Partei der Arbeit beigetreten, wurde Kommunist. Einmal schickte mich die Partei zu einem Kongress der sozialistischen Schriftsteller Europas nach Minsk. Ich weiß noch, wie wir auf dem Flughafen empfangen wurden von Herren in weißen Hemden und Krawatten. Das sollten unsere weißrussischen sozialistischen Brüder sein. Wir stiegen in dunkle Limousinen und fuhren mit Blaulicht und Sirene im Höllentempo über alle Rotlichter hinweg, ohne auch nur einmal anzuhalten. Vor dem Kongress musste ich im Namen meiner Partei eine kurze Grußbotschaft vorlesen. Ein Fiasko, ich habe kaum ein Wort über die Lippen gebracht. Denn es war mir klar, dass hier nicht meine sozialistischen Kollegen und Kolleginnen saßen, sondern eine neue Schicht von Parteikadern, die genauso schlimm waren wie die Kapitalisten. Ich bin dann bald ausgetreten aus der Partei. Jetzt hocke ich allein da auf meinem alten Hintern. Ich lebe von Sozialleistungen des Staates. Das ist die traurige Wahrheit.«

»Aber dein proletarisches Bewusstsein hast du noch?«

»Ja, das bleibt mir bis zu meinem Tod. Weil es meiner tatsächlichen Situation entspricht.«

Er versuchte zu lächeln, aber es wurde ein mühsames Grinsen.

»Ich bin ein Bettler und werde ein Bettler bleiben. Aber erzählen will ich weiterhin. Von Menschen, die ein Tabu verletzen und deshalb ausgestoßen werden. Deshalb schreibe ich Krimis. Ich kenne mich aus in Tabubrüchen. Im Grunde ist jeder gute Satz, den man schreibt, ein Tabubruch. Weil er die Regeln des doofen Geschwätzes durchbricht. Dafür lebe ich, um einen guten Satz zu schreiben. Wenn’s geht, jeden Tag einen. Dafür arbeite ich jetzt schon gut fünfzig Jahre lang. Und was ist der Dank? Der Dank ist, dass mich irgendein Arschloch ohne weiteres für drei Nächte einlochen kann. Und ich darf Basel vorerst nicht verlassen, sondern muss mich jeden Morgen auf dem Waaghof melden.«

»Möchtest du denn verreisen?«

»Ja, auf die griechische Insel Kythera.«

»Ist es dort im Sommer nicht zu heiß?«

»Überhaupt nicht. Dort gibt es immer eine kühle Brise vom Meer her. Dort habe ich Freunde aus Deutschland. Und das Leben und der Wein sind viel billiger.«

»Vielleicht kann ich dir helfen. Ich rede mit dem Staatsanwalt.«

»Ich sag’s ja, du bist auch einer von dieser Saubande.«

»Stimmt. Ich habe das Klassenbewusstsein eines aus dem Kleinbürgertum aufgestiegenen Beamten. Und das ist mir ganz recht so.«

Die Fortsetzung folgt morgen. Du findest sämtliche Kapitel hier im Kanal: 20min.ch/diogenes

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Hansjörg Schneiders «Hunkeler in der Wildnis» liest du jetzt exklusiv auf 20min.ch.

Bild: Philipp Keel / © Diogenes Verlag

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Teilnameschluss: 19. April 2020