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Der tägliche Gratis-Krimi: Teil 28

Fesselnder Lesespass mit «Hunkeler in der Wildnis». Jeden Tag einen neuen Teil zum Lesen!

Liebe Leserinnen und Leser!

In schwierigen Zeiten wie diesen ist vor allem eines wichtig: Zusammenhalt und das Wissen, nicht alleine zu sein. Und was verbindet mehr, als gemeinsam für kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen und auf eine gemeinsame Phantasiereise zu gehen?

Zusammen mit dem Diogenes Verlag schenkt 20 Minuten deswegen allen Menschen in der Schweiz jeden Tag ein Stück spannender Literatur zum gemeinsamen Schmökern. Wir publizieren täglich kostenlos ein Kapitel des fesselnden Krimi-Romans «Hunkeler in der Wildnis» des Aarauer Schriftstellers Hansjörg Schneider.

Lasst euch vom Lesevergnügen packen, teilt es mit euren Liebsten und vergesst nicht auf die kleinen Freuden im Leben. Bleibt gesund und passt auf euch und eure Mitmenschen auf!

Du warst nicht von Anfang an dabei? Kein Problem, hier findest du alle Kapitel.

Teil 28:

Er schreckte auf, er merkte, dass er eingenickt war am Küchentisch. Die Erinnerung, dachte er, sie frisst mich langsam auf.

Er erhob sich, stieg hinunter in die Mittlere Straße und ging am dreistrahligen Brunnen vorbei den St.-Johanns-Ring hinauf zum Burgfelderplatz. Dies war seine Gegenwart, diese nächtliche heiße Straße, in der das Plätschern des Brunnens wie eine Verheißung erklang. Die schlafenden Häuser, das Altersheim rechts, dessen Insassen auf den Tod warteten. Die Bäckerei links mit dem feinen Hefegebäck, daneben der Türkenladen, wo Mehmet jeden Morgen im Elektroofen Fladenbrot buk. Bei der Kantonalbank an der Ecke, wo er vor vielen Jahren in einer tristen Novembernacht den toten Hardy gefunden hatte, bog er nach links ab und betrat nach ein paar Schritten die Wirtschaft Milchhüsli. Ein ehemals gutbürgerliches Speiselokal, das jede Nacht bis in die frühen Morgenstunden hinein offen blieb für Leute, die am nächsten Tag nichts zu tun hatten. Man munkelte im Viertel, dass es aus gesundheitspolizeilichen Gründen demnächst geschlossen werde.

Das Lokal war, wie immer um Mitternacht, gut besucht von einsamen Nachtvögeln. In der Ecke vor der Bartheke lag der Mann mit der riesigen Dogge am Boden, beide in tiefem Schlaf. Er erschien jeweils nach den Spätnachrichten im Fernsehen, kippte einen halben Liter vom billigsten Weißwein in die Kehle und legte sich neben sein Vieh.

Milena, die serbische Wirtin, die den Laden zusammenhielt, stand hinter der Theke. Davor der dicke Hauser, mit einem milchigen Anisschnaps in der Hand. Hunkeler trat neben ihn und bestellte ein Bier.

»Was du in deinem Boulevardblatt schreibst«, sagte er, »das hat mit Journalismus nichts mehr zu tun. Du saugst dir das alles aus den Fingern. Das ist eine Riesenschweinerei.«

Hauser grinste über das ganze Gesicht.

»Genau das ist doch meine Aufgabe. Geschichten erfinden und spannend erzählen, besonders im Sommerloch. Dafür werde ich bezahlt.«

»Und an die Menschen, die von diesem Quatsch betroffen sind, denkst du nicht? Hast du überhaupt kein Ehrgefühl mehr in deinem dicken Bauch, keine Moral?«

»Moral? Was ist das? Daran glaubst du doch selber nicht. Jede Woche eine gute Story. Und wenn sich die Story über ein, zwei Wochen weiterziehen lässt, ist das super. Noch ein Pastis«, sagte er zu Milena, »und für Hunkeler noch ein Bier.«

Hunkeler holte aus, um ihm eine zu verpassen. Aber Hauser war schneller und packte sein Handgelenk.

»Bist du wahnsinnig, alter Mann? Was meinst du, was los ist, wenn in unserem Blatt steht, ich sei von einem Basler Ex-Kommissär geschlagen worden? Überlege doch mal, bevor du dreinschlägst.«

Er ließ das Handgelenk los. Hunkeler zitterte vor Wut.

»Wer ist dein Zuträger?«, schrie er. »Spuck’s aus, sonst prügle ich es aus dir heraus.«

Der dicke Hauser erschrak und trat einen Schritt zurück. Es war still geworden im Raum. Nur noch das laute Schnarchen der Dogge war zu hören.

»Im Ernst jetzt, Hunkeler. Willst du wirklich eine Schlägerei anfangen? Du weißt doch, dass ich viel jünger bin. Und du weißt auch, dass ich meinen Informanten sicher nicht verrate. Oder weißt du das nicht?«

Hunkeler nickte, sehr langsam.

»Doch, weiß ich.«

»Also, hör auf mit dem Unsinn. Die Wahrheit ist, dass du ein Fossil bist, das nicht mehr in die heutige Zeit passt. Noch ein paar Jährchen, dann haut es dich endgültig von der Stange. Also komm, sei friedlich, und trink dein Bier. Zum Wohl!«

Hunkeler schaute sich um im Raum, sah all die müden, verlebten Gesichter. Hinten in der Ecke saß der Parkgärtner Ueli Zgraggen. Zu ihm ging er hin, das Bier in der Hand, quer durch den Raum. Er ging wie auf Eiern.

»Darf ich?«, fragte er und setzte sich.

Zgraggen nickte kurz, schaute aber nicht auf. Ein junger, hagerer Mann aus den Bergen, den es in die Stadt verschlagen hatte. Er hatte ein Schnapsglas vor sich.

»Warum sitzt du allein am Tisch?«

Keine Antwort. Zgraggen war auf der Hut. Oder er hatte Angst.

»Du bist also aus Bristen im Maderanertal, nicht wahr? Ich war ein paarmal dort hinten. Erst mit der Gotthardbahn nach Erstfeld, dann mit dem Postauto hinauf ins Dorf. Ich habe alle diese Gipfel bestiegen, Oberalpstock und die beiden Windgällen. Zwei Sommer lang war ich auf Hinterbalm im Brunnital oben, um Bergkristalle zu suchen. Und weißt du was? Ich hatte Glück und habe eine Kluft voller Rauchquarze gefunden. Ich habe sie heute noch, kleine dunkle, durchsichtige Pyramiden.«

Der Raum war wieder voller Männerstimmen und Gelächter. Und Hunkeler redete weiter.

»Die Gemsjäger im Tal haben einen schönen alten Brauch. Sie schieben einem erlegten Tier einen Tannenzweig ins Maul. Oder, wenn sie über der Baumgrenze sind, ein Büschel Gras. Sie tun das, um das tote Wild zu ehren.«

Zgraggen blickte kurz auf. Kein Zweifel, er war voller Angst.

»Warum erzählst du mir das?«

»Weil ich die Welt, in der du aufgewachsen bist, kenne. Und weil ich selber auch aus der alten Welt komme.«

»Soeben hast du wie ein Wahnsinniger geschrien. Warum?«

»Weil ich die Nerven verloren habe. Kennst du das nicht?«

»Nein, auf keinen Fall.«

Er wollte sich erheben, um zu gehen. Aber Hunkeler blieb unerbittlich.

»Nein, hör mir zu. Am besten hat es mir auf der Golzernalp gefallen. Die Alphütten mit dem Vieh ringsum, am Morgen und am Abend der Alpsegen. Der kleine See, in dem man schwimmen kann. Der Bristenstock gegenüber im Gegenlicht, eine fast vollkommene Pyramide. Die Ruhe, die Stille, der langsame Gang der Kühe.«

»Mein Vater hat gehirtet auf Golzern«, sagte Zgraggen. »Ich war schon als kleiner Bub dort oben.«

»Warum bist du in die Stadt gekommen?«

»Weil meine Frau sich scheiden ließ. Sie kommt ebenfalls aus Bristen. Wir haben jung geheiratet, haben zwei Töchter. Die drei wohnen jetzt in Altdorf, in einem Wohnblock. Sie ist Pflegefachfrau im Altersheim. Aber sie verdient zu wenig.«

»Als Stadtgärtner hast du doch einen guten Lohn.«

»Ich zahle die Alimente gern. Weil ich meine Frau und meine Kinder immer noch liebe. Sonst wäre ich längst abgehauen.«

»Wohin?«

»Keine Ahnung. Irgendwohin.«

Er redete jetzt sehr leise, flüsterte fast.

»Ich kriege keine Luft hier. Niemand schaut dich an auf der Straße, niemand grüßt dich. Ich komme mir vor wie ein Aussätziger.«

»Aber du hast doch gute Freunde hier?«

»Wen meinst du?«

»Käthi Jaun zum Beispiel.«

»Ach so, ihr habt über mich geredet.«

»Sie hat mir von dir erzählt. Von deinem Schlüsselservice, den du aufgezogen hast, um deinen Lohn aufzubessern.«

Zgraggen schaute ihn offen an, zum ersten Mal während des Gesprächs. Irgendwie schien er erleichtert zu sein.

»So sag’s doch gleich. Und hör auf mit dem Gequatsche über Bergkristalle und Baden im See. Erstens einmal habe ich für den Schlüssel nie etwas verlangt. Ich habe es getan, um zu helfen, weil diese Menschen mausarm sind. Und zweitens habe ich das alles der Polizei längst erzählt.«

»Und drittens«, sprach Hunkeler, »hast du am frühen Morgen, als du den toten Schmidinger an der Mauer hast liegen sehen, den dicken Hauser angerufen und geschildert, was du gesehen hast. Wie viel hat er dir bezahlt?«

Zgraggens Hand, die neben dem Schnapsglas lag, begann zu zittern, als ob der ganze Tisch beben würde. Endlich regte sich in Hunkeler das Mitleid.

»Gut, das hätten wir. Ich wollte es bloß wissen. Schlimm ist es ja nicht. Viele andere hätten es auch getan, um an ein bisschen Geld heranzukommen. Ich will dich nicht fertigmachen. Von mir erfährt es niemand. Ich wünsche eine gute Nacht.«

Er erhob sich und ging festen Schrittes hinaus.

Die Fortsetzung folgt morgen. Du findest sämtliche Kapitel hier im Kanal: 20min.ch/diogenes

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Hansjörg Schneiders «Hunkeler in der Wildnis» liest du jetzt exklusiv auf 20min.ch.

Bild: Philipp Keel / © Diogenes Verlag

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Teilnameschluss: 27. April 2020