«Ein guter Wein ist inspirierend»

Man nennt ihn den «Weinpapst» und seine Geschichte ist eine Erfolgsstory: Philipp Schwander (*1965) ist seit rund 30 Jahren im Weinhandel tätig. Seine «Selection Schwander» ist heute eines der erfolgreichsten Weinhäuser der Schweiz mit Filialen in Zürich und St. Gallen. 1996 bestand er als erster Schweizer die strengste Weinprüfung der Welt, den «Master of Wine». Im Interview erzählt Philipp Schwander, was einen guten Wein ausmacht und weshalb sein neuartiges Weinkonzept so gut ankommt.

Die «Selection Schwander» hat seit 2003 bis heute eine Erfolgsstory geschrieben: Worin liegt der Unterschied zu den meisten Weinhandlungen?

Ich beschränkte mich von Beginn an auf eine kleine, aber sehr sorgfältige Auswahl. Weil wir nur wenige Weine anbieten, sind die benötigten Mengen pro Erzeugnis sehr hoch. Das erlaubt, zu sehr vorteilhaften Preisen einzukaufen. Ich bin aber nicht nur für den Einkauf, sondern auch für den Verkauf zuständig und schreibe alle unsere Werbeprospekte selbst. Alle zwei Monate wechselt das Angebot, das immer wieder auch neue Entdeckungen umfasst, die ich vor Ort in den verschiedenen Weinbauregionen gemacht habe.

Guter Wein muss also nicht teuer sein....

Nein, das muss er nicht. Wie in der Kunst gibt es auch beim Wein grosse Talente, die weniger offensiv im Anpreisen ihrer Erzeugnisse sind – entsprechend unbekannt und preiswert sind ihre Weine geblieben. Diese aufzuspüren ist allerdings nicht leicht und erfordert viel Sachkenntnis und Arbeit. Letztlich ist es aber das, was ein Konsument von einem Weinhändler erwarten darf.

Wieso sind die Bordeaux in Ihrem aktuellen Angebot so preiswert?

Bordeaux gilt weithin als teuer. Mit dem Blick auf die rund 200 berühmten Châteaux, stimmt dies mit Sicherheit. Die restlichen 5800 Produzenten im Bordelais werden fast nie erwähnt. Ihre Weine sind mitunter sogar extrem preiswert. Die grosse Schwierigkeit liegt allerdings darin, die sehr guten und preiswerten zu finden – von denen gibt es tatsächlich nur sehr wenige. Für unser aktuelles Bordeaux-Angebot verkostete ich über siebzig ausgewählte, als besonders gut geltende Gewächse. Von diesen verblieben schliesslich vier für mein Angebot, die meines Erachtens eine wirklich exzellente Qualität für den zu entrichtenden Preis bieten. Der Erfolg bestätigt meine Einschätzung: Wir haben innert kürzester Zeit eine enorme Menge verkauft – und die Kunden bestellen weiter kräftig nach.

Zum Schluss: Was muss ein Wein erfüllen, damit er in die «Selection Schwander» aufgenommen wird?

Ganz einfach: Er sollte typisch für das Anbaugebiet sein, aus dem er stammt und in seiner Preiskategorie mindestens so gut sein wie die besten Konkurrenzweine. Wir haben auch schon darauf verzichtet, aus gewissen Regionen Weine zu importierten, weil sie diese von mir selbst auferlegten Vorgaben nicht erfüllen konnten.

Selection Schwander ist die Weinhandlung des Schweizer Master of Wine Philipp Schwander. Sie bietet alle zwei Monate eine kleine Auswahl von Qualitätsweinen aus verschiedenen Regionen Europas an.

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