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Der tägliche Gratis-Krimi: Teil 29

Fesselnder Lesespass mit «Hunkeler in der Wildnis». Jeden Tag einen neuen Teil zum Lesen!

Liebe Leserinnen und Leser!

In schwierigen Zeiten wie diesen ist vor allem eines wichtig: Zusammenhalt und das Wissen, nicht alleine zu sein. Und was verbindet mehr, als gemeinsam für kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen und auf eine gemeinsame Phantasiereise zu gehen?

Zusammen mit dem Diogenes Verlag schenkt 20 Minuten deswegen allen Menschen in der Schweiz jeden Tag ein Stück spannender Literatur zum gemeinsamen Schmökern. Wir publizieren täglich kostenlos ein Kapitel des fesselnden Krimi-Romans «Hunkeler in der Wildnis» des Aarauer Schriftstellers Hansjörg Schneider.

Lasst euch vom Lesevergnügen packen, teilt es mit euren Liebsten und vergesst nicht auf die kleinen Freuden im Leben. Bleibt gesund und passt auf euch und eure Mitmenschen auf!

Du warst nicht von Anfang an dabei? Kein Problem, hier findest du alle Kapitel.

Teil 29:

Draußen auf der Straße überlegte er, was er tun sollte. In seine Wohnung hochsteigen und sich der Hitze ausliefern? Oder ins Elsass fahren? Dazu war es zu spät, er hatte zu viel getrunken.

Er ging nach vorn zur Kreuzung und setzte sich vor die Kantonalbank. Hier hatte er mitten in der Nacht schon viele Male gesessen und zugeschaut, wie der letzte Dreier Richtung Innenstadt fuhr, vorne drin der Tramführer, der sich ins Bett sehnte, Triebwagen leer, Anhänger leer. Er liebte diese nächtliche Leere auf dem Platz, wo tagsüber ein wildes Gedränge von Autos und Fußgängern herrschte.

Gegenüber bei der Apotheke tauchte ein Schatten auf, nur kurz, er verschwand gleich wieder hinter dem Tramhäuschen. Ein wildes Tier, das war sofort klar.

Hunkeler wartete reglos, atmete nur noch flach, um sich nicht zu verraten. Als das Tier wieder auftauchte, sah er, dass es ein Dachs war. Meister Grimbart, das geheimnisvolle Nachttier, der Allesfresser, der den Menschen kaum je zu Gesicht kam. Er fühlte sich wohl sicher, humpelte quer über die Tramgeleise. Einmal hielt er kurz inne, stellte sich auf die Hinterbeine und prüf‌te die Witterung, so dass die dunklen Längsstreifen auf seiner Nase zu erkennen waren. Dann ließ er sich wieder auf alle viere nieder und verschwand in der Missionsstraße.

Hunkeler dachte an Ueli Zgraggen, den armen Mann aus den Bergen, der von seinem Tal und seiner Familie getrennt leben musste. Ein Heimatloser, der in der Nachtbeiz ein bisschen Gesellschaft und Nähe suchte und doch nicht fand. Er liebte Menschen wie ihn, er kannte sie aus seiner Jugend. Pflichtbewusst, jederzeit zur Hilfe bereit. Eigenschaften, die heute nicht mehr gefragt waren. Bittere Gedanken waren es in dieser einsamen Nacht auf einem ganz gewöhnlichen versifften Platz eines Basler Außenquartiers. Ein bitterer, alter Mann. Und doch hatte er soeben einen Dachs vorbeihuschen sehen.


Er beschloss, im Park zu übernachten. Im Gras vielleicht, in einem Busch, Tautropfen auf der Stirn. Er erhob sich und folgte den Geleisen des Dreiertrams, bis rechts die alte Friedhofsmauer auf‌tauchte. Er fand eine Stelle, wo er hinüberklettern konnte. Er zog sich hoch, mit Mühe, und ließ sich auf der anderen Seite zu Boden fallen. Er fiel auf die rechte Seite, ein heftiger Aufprall, aber sein Körper hielt stand.

Er lag in einer Wiese, spürte den kühlen Erdboden, roch das Gras. Seine Augen mussten sich erst an die Dunkelheit, die vollkommen zu sein schien, gewöhnen. Er wusste, dass das in seinem Alter etwas länger dauerte, und ließ sich Zeit. Kein Ton, kein Autogeräusch, keine Schritte von Passanten. Dann hörte er doch etwas. Ein fernes, weittragendes Trommeln, stetig, unveränderbar. Aus der Steppe? Aus dem Busch? Es schien von der Stelle zu kommen, wo der große Mammutbaum stand. Dann plötzlich ein fröhliches Lachen, jung und ausgelassen. Er erkannte einen schwachen Lichtstreifen, der von einer Straßenlaterne über die Mauer geworfen wurde bis zum Plantschbecken drüben. Er fragte sich, ob er hinübergehen, mitplantschen und mitlachen sollte.

Er blieb liegen, wo er hingefallen war, wartete, bis sich der Schmerz in seiner Seite verzogen hatte. Dann rollte er sich ein, um zu schlafen. Schwach hörte er noch ein fernes Flöten, ein paar wenige Töne bloß, die ihm zu gelten schienen. Oder träumte er bloß davon?

Er wurde geweckt von Frauengekreische.

»Du Sauhund, du Arschloch, du verdammter Strolch!«

Er setzte sich auf und sah auf dem nahen Kiesweg Sieglinde Renns weiße Häuptlingsfeder aufschimmern. Die kreischende Frauenstimme war die von Käthi Jaun. Ein wildes Gerangel fand dort statt, männliche Schmerzensschreie waren zu hören. Hunkeler erhob sich, schaltete seine Taschenlampe ein und leuchtete hin. Der Häuptling der Navajos hielt einen jungen Kerl in Kapuzenjacke im Schwitzkasten, Käthi Jaun hieb ihm die Faust in den Magen.

»Sofort aufhören!«, rief Hunkeler. »Ich bin’s, Polizei!«

Die beiden Frauen erschraken, vom Lichtstrahl geblendet. Was der junge Kerl ausnützte, er riss sich los und rannte davon Richtung Mauer.

»Ach, der Sherif‌f«, sagte der Häuptling. »Was mischst du dich ein? Renn ihm nach, verhafte ihn.«

»Es waren zwei«, sagte Käthi. »Einer ist uns entkommen. Dem andern haben wir es gegeben, dem Saukerl. Der taucht nicht so schnell wieder auf.«

»Was zum Teufel ist hier eigentlich los?«, fragte Hunkeler. »Wer waren die beiden? Was wollten sie?«

»Woher sollen wir das wissen? Vielleicht Geld. Jedenfalls fielen sie über uns her, als wir friedlich schliefen. Aber was tust du hier? Du bist ja nicht mehr im Dienst.«

»Es war die Hitze in meiner Wohnung. Das hält ja kein Schwein mehr aus.«

»Also etwas kann ich dir garantieren«, sagte Käthi. »Wenn die Polizei nicht in der Lage ist, zwei alte Frauen, die in einem öffentlichen Park friedlich schlafen, zu schützen, dann tun wir das selber. Hier«, sie nahm eine Boulekugel aus der Tasche, »damit schlage ich nächstes Mal, wenn uns einer an die Wäsche will, diesen Arschlöchern den Schädel ein.«

»Woher hast du die?«, fragte Hunkeler, plötzlich hellwach. »Zeig her.«

Er richtete den Lichtstrahl auf die Kugel. Sie hatte drei Ringe eingefräst.

»Nein«, sagte er, »das ist sie nicht.«

»Wie bitte?«, schimpf‌te Käthi. »Doch, die ist genau richtig. Die habe ich hier im Park gefunden. Und die habe ich jetzt immer bei mir.«

»Von mir aus«, sagte Hunkeler. »Tut, was ihr wollt. Ich lege mich jetzt wieder hin ins Gras.«

Er wollte weggehen. Da leuchtete ein scharfer weißer Lichtstrahl auf.

»Polizei! Hände auf den Rücken, keine Bewegung!«

Es war die Stimme von Kommissär Madörin.

Hunkeler hob schützend die Hände vors Gesicht.

»Schalte diesen verdammten Scheinwerfer aus, Kollege. Er macht uns ja alle nachtblind.«

Es ging eine Weile, bis Madörin den Strahl auf den Boden richtete. »Was tust du hier, Kollege?«

Ja, was tat Hunkeler eigentlich hier, mitten in der Nacht? Warum lag er nicht in seiner Wohnung im Bett? Hatte er zu viel Bier getrunken? Er versuchte zu grinsen, es ging ganz gut.

»Diese verdammte Affenhitze, nicht wahr?«, sagte er. »Sie ist wie ein heißes Tuch, das sich über die Haut legt. Da wird es sogar den Totengerippen im Boden drin zu heiß. Sie kriechen hervor und tanzen.«

»Wie bitte? Bist du besoffen?«

»Aber nein, Kollege. Bloß drei, vier Biere, weil der Körper Flüssigkeit braucht.«

Madörin zögerte. Offenbar wusste er nicht recht weiter. Dann richtete er das Licht auf die beiden Frauen.

»Was tun Sie hier? Wissen Sie nicht, dass der Park bis Sonnenaufgang geschlossen bleibt?«

»Doch«, sagte der Häuptling, »wir wollten einfach ein bisschen spazieren gehen.«

»Was soll die blödsinnige Feder auf Ihrem Kopf?«

»Das ist die Häuptlingsfeder der Navajos. Wir haben ein Geschrei gehört und sind hingerannt. Aber es war alles ruhig.«

»Und du, Kollege? Hast du auch ein Geschrei gehört?«

»Jawohl«, sagte Hunkeler. »Deshalb bin ich ja erwacht. Aber ich habe bloß diese beiden Damen angetroffen.«

»Schöne Damen das«, sagte Madörin. »Es ist ja himmeltraurig, wie tief du gesunken bist. Schämst du dich nicht?«

»Sie sollten sich ein bisschen in Acht nehmen, Herr Kommissär«, sagte der Häuptling. »Erst beleidigen Sie die Indigenen, dann obdachlose Frauen. Was würden Sie dazu sagen, wenn wir damit zur Presse gehen?«

Madörin bebte vor Wut. Aber er beherrschte sich. Er richtete den Lichtstrahl auf Käthi.

»Was haben Sie da in der Hand?«

»Das ist eine Boulekugel. Ich habe sie im Gebüsch gefunden.«

Madörin untersuchte die Kugel genau.

»Drei Ringe, nicht wahr, Kollege?«

»Stimmt. Es ist sie nicht.«

»Gut, meinetwegen.« Madörin schaltete die Lampe aus. »Wir haben Gescheiteres zu tun, als uns mit Gesindel herumzuschlagen. Ich wünsche noch eine angenehme Nacht.«

Er wandte sich ab und verschwand in der Dunkelheit. Sie blieben eine Weile wortlos stehen.

»Danke«, sagte Käthi dann, »dass du uns nicht verraten hast.«

»Warum? Ich habe ja nichts gesehen.«

Die Fortsetzung folgt morgen. Du findest sämtliche Kapitel hier im Kanal: 20min.ch/diogenes

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Hansjörg Schneiders «Hunkeler in der Wildnis» liest du jetzt exklusiv auf 20min.ch.

Bild: Philipp Keel / © Diogenes Verlag

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Teilnameschluss: 27. April 2020