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Der tägliche Gratis-Krimi: Teil 34

Fesselnder Lesespass mit «Hunkeler in der Wildnis». Jeden Tag einen neuen Teil zum Lesen!

Liebe Leserinnen und Leser!

In schwierigen Zeiten wie diesen ist vor allem eines wichtig: Zusammenhalt und das Wissen, nicht alleine zu sein. Und was verbindet mehr, als gemeinsam für kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen und auf eine gemeinsame Phantasiereise zu gehen?

Zusammen mit dem Diogenes Verlag schenkt 20 Minuten deswegen allen Menschen in der Schweiz jeden Tag ein Stück spannender Literatur zum gemeinsamen Schmökern. Wir publizieren täglich kostenlos ein Kapitel des fesselnden Krimi-Romans «Hunkeler in der Wildnis» des Aarauer Schriftstellers Hansjörg Schneider.

Lasst euch vom Lesevergnügen packen, teilt es mit euren Liebsten und vergesst nicht auf die kleinen Freuden im Leben. Bleibt gesund und passt auf euch und eure Mitmenschen auf!

Du warst nicht von Anfang an dabei? Kein Problem, hier findest du alle Kapitel.

Teil 34:

Kurz vor Mitternacht rief Hunkeler Lüdi an.

»Oui, mon joujou?«

»Non, nicht dein joujou. Hunkeler hier.«

»Moment.«

Wieder das Klicken eines Feuerzeugs, ein leises Kichern.

»Warum rufst du an? Du weißt doch …«

»Jaja, ist schon gut. Nur kurz. Die beiden jungen Männer, die die Holländerin totgeschlagen haben, habt ihr sie?«

»Woher weißt du das?«

»Vom SWR. Habt ihr sie identifiziert?«

»Dazu kann ich nichts sagen.«

»Ihr habt sie also identifiziert.«

Ein tiefer Zug aus der Zigarette, das Ausstoßen von Rauch.

»Gefasst haben wir sie noch nicht. Und die Nationalität geben wir nicht heraus. Weil dies zu Schwierigkeiten führen könnte.«

»Die Nationalität ist doch scheißegal. Mich interessiert Folgendes: Haben die beiden etwas mit der Ermordung von Schmidinger zu tun?«

»Nein. Die Landespolizei Lörrach hat uns mitgeteilt, dass sie in jener Nacht die beiden ab 22 Uhr in Gewahrsam hatte, wegen Pöbelei und Sachbeschädigung.«

»Ich danke dir, mein Engel.«

In dieser Nacht lag Hunkeler lange unruhig, ohne Schlaf zu finden. Es waren zwar die vertrauten Geräusche zu hören, die ihn sonst zu beruhigen pflegten. Das Flüstern des Windes, das Zirpen der Grillen, von der Talstraße her das Brummen eines Automotors. Aber das weiße Mondlicht, das ins Zimmer fiel, schien in dieser Nacht übermächtig zu sein.

Er fragte sich, ob er richtig handelte. Ob er überhaupt das Recht hatte, so zu handeln, wie er es vorhatte. Was, wenn er auf falscher Fährte war und ihn sein Verstand, sein Instinkt in die Irre führten? Zuzutrauen war allen alles, was menschlich war. Das hatten ihn seine langen Jahre auf dem Kommissariat gelehrt. Wer war er denn selber, der kleine Polizeibeamte der alten Stadtrepublik Basel, dass er sich zum Richter über seine Mitmenschen aufwarf, indem er sie einer Untat verdächtigte und überführte?

Er hörte es vom Kirchturm ein Uhr schlagen, dann zwei Uhr. Dann schlief er endlich ein.


Er wurde geweckt durch das Krähen von Hahn Fritz. Er sah auf dem Wecker, dass es kurz vor sechs war. Der verdammte Gockel, dem würde er demnächst den Hals umdrehen. Er zog sich an, ging hinaus, um das Federvieh rauszulassen, aß in der Küche eine Banane und trank den Rest des Tees. Dann schloss er das Haus ab und ging hinüber in den Stall zur Nachbarin.

»Die Hühner sind draußen«, meldete er. »Monsieur Bruderer ist weg, ich glaube, er ist unterwegs nach Mulhouse. Bon, ich verabschiede mich.«

»Bonne chance.«

Er ging hinauf zur hohen Straße, die schnurgerade über die Hochebene führte. Dort versuchte er, ein Auto anzuhalten. Der Fahrer hupte und zeigte ihm den Vogel. Auch die folgenden Fahrer rasten vorbei, sie hatten es alle, wie jeden Morgen, sehr eilig. Er ging weiter bis nach Trois Maisons, wo eine Kreuzung die Autos abbremste. Links führte die Straße nach Helfrantzkirch, rechts nach Knoeringue. Geradeaus in der Rheinebene unten waren der Flughafen und die Stadt Basel zu sehen. Hier nahm ihn eine junge Frau mit, die wohl knapp zwanzig war. Aus Hausgauen sei sie, »Husgöie«. Eine noch nicht ganz einjährige Tochter habe sie, zusammen mit Michel, doch der sei arbeitslos. Ob er ihm nicht eine Stelle habe.

Nein, hatte er leider nicht.

Kurz vor Ranspach kam ihnen ein Wagen der Gendarmerie St.-Louis entgegen, mit Blaulicht und gellendem Horn, am Steuer Gendarme Wirz. Hunkeler duckte sich gerade noch rechtzeitig in seinen Sitz. Er grinste zufrieden, denn die Nachbarin würde Wirz auf die falsche Spur nach Mulhouse schicken.

Sie arbeite gern, erzählte die junge Frau neben ihm, die Stelle in Basel sei gut bezahlt. Das Geld reiche facilement für eine kleine Familie in Husgöie. Aber sie sei eben den ganzen Tag weg, vom Morgen früh bis am Abend spät. Viel lieber würde sie daheim bleiben und zu ihrer Tochter Julie schauen. Sie seien zwar alle gesund, aber Muttermilch bleibe eben Muttermilch und sei durch nichts zu ersetzen.

»Qu’est-ce que vous en pensez, Monsieur? Was dänke Si?«

Nichts, sagte er, er denke nichts über Muttermilch.

»Haben Sie keine Kinder?«

»Doch, eine Tochter.«

»Ist das alles?«

»Non, eine Enkelin.«

»Wie heißt sie?«

»Estelle.«

»Sehen Sie sie oft?«

»Ja, sehr oft«, behauptete er, bloß damit sie Ruhe gab.

»Bonne chance«, sagte sie, als sie ihn beim Grenzübergang Burgfelden absetzte, »alles Gute.«


Eine halbe Stunde später saß er bei Erkan im Park vor einer Tasse Kaffee und las Zeitung. Es war ein schöner Hochsommertag, noch nicht allzu heiß an diesem Morgen. Das tiefe Grün der Bäume war bereits durchsetzt vom Braun früher Herbstblätter. Der Rentner Otto stand an der Theke vor einem Ginger Ale mit Zitronenschnitz, begierig auf eine Plauderei.

Hunkeler las zuerst, was die Basler Zeitung über den Mord an der Holländerin schrieb. Es war sehr wenig, was ihn nicht erstaunte. Denn seitdem die BaZ nach Zürich verkauft worden war, wurde über Basel nur noch spärlich berichtet. Dafür politisch korrekt. Über die Täterschaft hieß es, es seien mutmaßlich zwei junge Männer gewesen. Über den Bericht der Landespolizei Lörrach kein Wort.

»Wissen die nicht mehr, oder getrauen sie sich nicht?«, fragte Otto an der Theke. »Ganz Basel weiß doch, dass es zwei junge Nordafrikaner aus einem Vorort von Mulhouse waren.«

Hunkeler antwortete nichts und griff zum Zürcher Boulevardblatt, auf dessen Frontseite groß Marietta vom Kiosk im Rheinbad abgebildet war. Darunter der Satz: »Ich habe den Mördern ins Auge geblickt!« Der dicke Hauser hatte wieder einmal so richtig zugelangt auf drei Seiten, beste Unterhaltung fürs Volk. Dazu Bilder vom Treidelweg beim Hotel Drei Könige, voller Blumen und Kerzen als Zeichen der Trauer. Vom Rechen vor dem Rheinbad, vom Elendsviertel bei Mulhouse, wo die Mörder, wie es schien, wohnten. Über Herkunft und Nationalität der Täterschaft war nichts zu lesen. Da hatte sich sogar Hauser zurückgehalten, denn dies war ein Politikum.

»Da wird eine arme alte Frau«, schimpf‌te Otto, »die am Rhein unten ein Mittagsschläfchen macht, von zwei Arabern aus Mulhouse ermordet. Und die Basler Polizei unternimmt nichts dagegen. Wo leben wir eigentlich?«

»Jetzt halt mal die Klappe, ja?«

Das kam so scharf, dass Otto erschrak.

»Du sollst nicht immer so saudumm daherreden«, sagte Hunkeler, »das geht mir kolossal auf den Sack.«

Da erschien Willy, der Storch, unter der Allee, in graziler Majestät. Er stakste langsam heran, behutsam Stelzenbein vor Stelzenbein setzend, eine unglaublich schöne Erscheinung.

»Willy ist da«, meldete Otto.

Frau Koller kam aus dem Kiosk mit einer Packung Salami. Sie ging zum Vogel und streckte ihm die einzelnen Scheiben hin, eine nach der anderen. Er nahm sie behutsam aus ihrer Hand, legte sie sich zurecht und warf sie sich in die Kehle. Bis die Packung leer war.

»So, genug für heute«, sagte Frau Koller und scheuchte den Vogel weg, »ab mit dir in den Himmel.«

Er machte ein paar Schritte, legte sich in die Schwingen und verschwand hinter den Bäumen.

Die Fortsetzung folgt morgen. Du findest sämtliche Kapitel hier im Kanal: 20min.ch/diogenes

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Hansjörg Schneiders «Hunkeler in der Wildnis» liest du jetzt exklusiv auf 20min.ch.

Bild: Philipp Keel / © Diogenes Verlag

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Teilnameschluss: 27. April 2020